Warum ich meine Reichweite gegen Nazis nutze – und finde, dass das alle tun sollten

Dieser Blog startete als DIY-Blog. Es war schon immer klar, dass ich hier von Zeit zu Zeit politische Gedanken einstreuen werde, allerdings eher kleine und eher den Themen Feminismus, Umwelt und Nachhaltigkeit gewidmet. Wer mir auf Instagram und Twitter folgt, wird vermutlich gemerkt haben, dass sich der Schwerpunkt verschoben hat und ich immer öfter meine Reichweite gegen Nazis nutze. Auch, wenn sie noch sehr klein ist und auch, wenn ich immer mal das Feedback bekomme, dass etwas mehr DIY, etwas mehr Schmuck und etwas mehr Gestricktes noch schöner wäre.

Transparenzhinweis: Dieser Text enthält Werbung in Form von Verlinkungen. Keine davon wurde beauftragt, keine davon wird vergütet.

Reichweite gegen Nazis – oder doch lieber für Schönes?

Oft sehe ich das auch so und würde mich gerne mehr den Schönen Dingen widmen. Damit meine ich nicht nur meinen Instagramfeed, sondern auch meinen Alltag. Der ist oft bestimmt von ständiger Wachsamkeit und Grübeleien, welche Möglichkeiten es gibt, dem Rechtsruck noch entgegenzuwirken.

Außerdem verstehe ich es natürlich vollkommen, auf Instagram das vielleicht nicht ganz reale, aber sehr schöne Leben betrachten zu wollen. Bei allem, was es sonst zu lesen, zu hören und zu sehen gibt, wünsche auch ich mir oft die Flucht in die Glitzerwelt. Und würde gerne mehr zu ihr beitragen.

Ganz ohne geht es auch nicht

Angesichts der aktuellen Lage – nämlich nicht mehr “nur” Alltagsrassismus, sondern rassistischen Umtrieben, die sich auf der Straße immer breiter machen und sich ungestört durch Parlamente und Behörden bewegen – sehe ich keine Möglichkeit mehr, unpolitisch zu sein. Ich verstehe es, sich immer mal zurückzuziehen, den schönen Dingen Raum zu geben und einfach mal nichts Schlechtes an sich ranzulassen. Nur denke ich eben auch, dass das purer Luxus ist. Oder, wie Alexandra auf Meergedanken schreibt: “Ich habe das Privileg mir selbst aussuchen zu können, welchen Kampf ich führe und welchen nicht.”

Schließlich gibt es Menschen, die können das nicht mal eben. Weil sie beispielsweise von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Ableismus, Homo- oder Transfeindlichkeit betroffen sind. Diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit schlägt ganz eiskalt im Alltag zu, unabhängig davon, ob die betroffenen Personen sich damit beschäftigen wollen oder nicht. Für mich steht fest, dass ich nicht wegsehen möchte. Und auch ein bisschen von meinen Mitmenschen einfordern will, nicht wegzusehen und aktiv zu sein.

Was kann man denn tun?

Informationen sammeln

Nachrichten konsumieren kann unglaublich erschöpfend sein. Nicht nur, weil sie auf die Stimmung schlagen, sondern weil es von ihnen einfach schlimm viele gibt. Gerade in Bezug auf Rechtsradikale erlebe ich häufig, wie wenig informiert viele Menschen sind – sowohl, was die Akteur*innen angeht als auch deren Aktionsformen, Geschichten über sie, und so weiter und so fort. Oft werden aktuelle Ereignisse und auftretende Personen aber von einigen Quellen ganz gut aufgedröselt.

Diese Seiten nutze ich gerne, wenn mir Zusammenhänge nicht ganz klar sind. Wenn ihr noch mehr kennt, gerne her damit, dann erweitere ich die Liste.

Informationen bereitstellen

Oft sind Nachrichten und Informationen zwar zugänglich, aber oft auch unübersichtlich und überfordernd. Ich habe deshalb angefangen, vor allem die Instagram-Storys zu nutzen, um kleine Informationspakete bereitzustellen. Da ging es beispielsweise darum, worin sich Neurechte und Neonazis unterscheiden, um den Hashtag #MenAreTrash oder um verschiedene Demonstrationen. Je mehr Übung ich hatte, desto flotter ging es, die Storys zusammenzustellen. Anfangs war ich unsicher, aber das Feedback, das ich dazu erhalten habe, war ausschließlich sehr lieb und konstruktiv.

Ich nutze meist nicht mehr als 10 Bilder oder baue Videos mit ein. Damit hoffe ich, die Storys übersichtlich und interessant zu halten. Klaro macht das Arbeit und zerbricht meinen glitzerigen Feed ein wenig, aber ich hoffe, damit Wissen anschaulich darzustellen und in den Alltag meiner Follower*innen einzustreuen.

Zuhören

Vor allem als Person, die weitestgehend von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verschont bleibt – beispielsweise, weil mensch weiß, männlich und heterosexuell ist – ist es wichtig, Personen zuzuhören, die davon betroffen sind. Die Hashtags #MeToo und #MeTwo sind voll von Erzählungen von Menschen, die Sexismus und / oder Rassismus erlebt haben. Auch, wenn das erlebte als nicht Betroffene*r unglaublich klingen kann: Das sind ganz reale Erlebnisse. Dass man selbst davon nie betroffen war, macht sie nicht weniger real. Hier kann man sich selber einfach mal in den Hintergrund stellen, leise sein und zuhören.

Auf Instagram und Twitter lassen sich außerdem großartige Accounts finden, die zu den Themen (und weiteren) allerbesten Content und Bildungsarbeit bereitstellen.

Ich kann hier natürlich nur eine peinlichst unvollständige Liste zeigen und freue mich über Tipps, um sie zu ergänzen (und auch wenn wer der erwähnten lieber nicht hier erscheinen mag – bitte Bescheid geben). Empfehlenswerte Instagram-Accounts sind zum Beispiel:

Diskutieren

Nicht mit Rechten, denn das Reden mit denen stellt ihre Positionen als akzeptabel dar. Wenn wir darüber diskutieren, wie viele Menschen im Mittelmeer ertrinken “dürfen”, dann ist die Basis dieser Diskussion, dass es in Ordnung wäre, wenn Menschen überhaupt im Mittelmeer ertrinken.

Nein, ich meine das Reden mit denjenigen, die sich ebenfalls ‘ne Platte machen, was zu tun ist. Mit Aktivist*innen, lokalen Politiker*innen und eben Menschen, die etwas an der Situation ändern wollen. Und nicht nur den Rechtsruck diskutieren, sondern all die Themen, die zu kurz kommen, seitdem nur “Flüchtlingskrise!” geschrien wird.

Ihr habt eine Stimme – nutzt sie!

Ob nun Beauty- oder DIY-Blog, Instagram, Twitter oder eigener Blog: Wenn ihr es geschafft habt, mit euren Themen Menschen zu erreichen, dann nutzt diese Reichweite auch, um etwas zu bewegen!

Nee, ihr müsst natürlich nicht euren gesamten Content umstellen und alle eure Follower*innen verprellen. Aber, so pathetisch das klingt, die Zeiten, in denen es okay war, wegzusehen und zu schweigen, die sind vorbei.

Ob Beauty- oder DIY-Blog, Instagram, Twitter oder eigener Blog: Ich sehe um mich herum so viele tolle, kluge Menschen. So viele Personen, die tolle Inhalte produzieren und verbreiten können. Und denke von allen, dass sie sich viele Gedanken machen und diesen vielleicht auch mehr Raum geben möchten. Ich kann aus meiner Erfahrung und noch mehr aus meinem Wünschen heraus nur lautstark sagen: Tut es!

6 Kommentare bei „Warum ich meine Reichweite gegen Nazis nutze – und finde, dass das alle tun sollten“

  1. Ein wirklich guter Beitrag!
    Da danke ich dir gleich noch viel mehr, dass du mich verlinkt hast, denn ohne Verlinkung wäre er mir wahrscheinlich entgangen.
    Zum Inhalt selbst sage ich jetzt nichts, denn dir ist sicherlich klar, dass ich dir einfach nur zustimme.
    LG Lexa

    1. Danke dir, freut mich sehr, dass du den Beitrag gelesen hast – und er dir gefällt 🙂
      Die Verlinkung zu deinem Post wollte ich auch ganz unbedingt einbauen, denn ich finde ihn nicht nur sehr gut, sondern auch unheimlich wichtig. Und ohnehin schätze ich deinen Blog sehr, weil du das so selbstverständlich durchziehst, ihn immer mal mit – auch härteren und schwereren – politischen Themen zu spicken.
      Liebe Grüße
      Maren

      1. Du würdest lachen, wenn du mich jetzt sehen könntest. Mein Grinsen geht nämlich einmal um meinen Kopf rum. 😉
        Vielen Dank für dieses riesen Kompliment! Ich würde eigentlich gerne noch viel mehr politisches schreiben, nur schreibt es sich nicht gerade leicht und gerade während des Studiums war ich dann froh, wenn ich was einfaches als Ausgleich schreiben konnte. Jetzt, wo das Studium beendet ist, habe ich mir aber fest vorgenommen vermehrt auf wichtige Themen einzugehen. Die Zeiten rufen danach und meinen Kopf freut es sicherlich auch, wenn er weiterhin gefordert wird und sich in Dinge reindenken muss.

        LG Lexa

  2. Liebe Maren,

    Vielen Dank für dieses, genau diesen Artikel! Du sprichst mir vollkommen aus drm Herzen.
    Weißt Du, ich bin 57 Jahre alt, hab nen winzigen Blog, den ich ab nächster Woche auch wieder regelmäßig bespielen werde.
    Thema ist „Lifestyle „ und auch meine Depression! Das ist schon schwierig zu kombinieren, aber da kenne ich nix! Mein Blog, meine Gedanken! Dazu gehört auch Politik und Kante zeigen! Auch das wird seinen Platz finden.
    Ich verstehe von mir aus eh nicht warum die Nlogget mit riesiger Reichweite eben diese nicht nutzen.
    Sei es gegen die Abholzung des Hambi, sei es gegen andere politische Verfehlungen, sei es gegen Nazis! Es ist wohl die Angst um Reichweite und Kooperationen. Für mich nicht akzeptabel, da zum heutigen Lifestyle der Kampf um unsere Demokratie und all die Vorteile eines bunten Landes dazu gehören!

    Ich bin stolz auf Dich, und lass uns mit gutem Bespiel mit denen die bereits so mutig sind voran gehen!
    Denn #wirsindmehr

    Herzliche Grüße
    Rita

    1. Hallo Rita,
      wow, da hast du ja wirklich viele Themen – spannende wie schwierige. Mir geht es oft so, dass ich Sachen manchmal lieber doch nicht poste, um mich nicht zu gefährden, oder um niemanden zu verprellen, um bei mir die Sprache und auch die Ästhetik nicht zu durchbrechen und superoft auch deshalb, weil ich unsicher bin, etwas falsches zu sagen. Dabei find ich Fehler machen eigentlich gar nicht schlimm, schließlich lässt sich ja daraus lernen. Aber ich hab da oft auch den Gedanken “Wenn ich mich hier schon politisch äußere, dann soll das auch reflektiert und durchdacht und gut sein. Und wenn sich jemand die Zeit nimmt, das hier zu lesen, dann soll’s bloß kein Mist werden”, der mich daran hindert, mich noch mehr zu äußern. Kann mir gut vorstellen, dass es vielen so geht, vor allem wenn sie sich sonst vielleicht eher mit Beauty, Mode oder DIY beschäftigen.
      Liebe Grüße
      Maren

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