Über den Tellerrand – Meine kulinarische Reise

Nanu? Ein Wohnungsbild? Essen? Viele Fotos? Allerdings, denn heute gibt’s einen Blick über den Tellerrand -- auch über meinen eigenen. Kato hat auf ihrem Blog zum zweiten Mal dazu aufgerufen, gemeinsam mal etwas neues zu wagen und auf dem eigenen Blog Neuland zu erkunden. Bei Über den Tellerrand nehmen über zwanzig BloggerInnen teil, die sich gegenseitig Themen vorgeschlagen haben, über die sie sonst auf ihren Blogs nicht schreiben.

Ich habe ein Thema an Janina von Jumping Borders To Africa weitergegeben -- Mein Lieblingsort -- und selber ein ganz großartiges von Wibke Akosua von Sonnenstrahlenmomente (Sie selbst schreibt über Die starken Frauen von Ghana) bekommen, das mich ganz ordentlich, aber sehr schön über den Tellerrand geschubst hat. Warum, werde ich noch erzählen.

Reisen fetzt und Essen fetzt -- was könnte also schöner sein, als beides zu verbinden? Ich habe beschlossen, dass die Reise nach Japan geht und das Essen Onigiri sein sollen. Onigiri sind gefüllte Reisbällchen. Sie können süß oder pikant sein, faustgroß oder klein wie eine Praline -- die Vielfalt ist riesig.

Zugegebenermaßen war ich noch nie in Japan, aber bis ich Anfang letzten Jahres zum ersten Mal Onigiri zubereitet habe, verging tatsächlich eine kleine Reise. Und tatsächlich hat die bei vielen von euch -- jedenfalls den Kindern der späten Neunziger Jahre -- schon längst angefangen, ohne dass ihr es bemerkt habt. Nämlich mit “Doughnuts”.

 

Na, wiedererkannt? Das zweite Mal bin ich bei Bunny Eats Design (Übrigens ein großartiger Blog: Grafikdesign, gutes Essen und süße Kaninchen. Sonst noch Wünsche?) über Onigiri gestolpert und da mein Freund und ich gerade beide sehr viel unterwegs waren und Mensa-Essen sehr satt hatten, wurden kurzerhand zum ersten Mal Onigiri gezaubert. Wie das geht, zeige ich euch jetzt, wenn ihr mich über den Tellerrand begleitet.

Reis
Am besten eignet sich Klebreis aus dem Asialaden. Es gibt viele verschiedene Sorten, die sich vor Allem in der Zubereitung unterscheiden. Achte am besten direkt im Laden darauf, denn einige Sorten müssen fast einen Tag lang quellen und anschließend gedünstet werden, andere sind in zwanzig Minuten gekocht. Alternativ geht’s auch mit Sushi-Reis ganz gut. Wichtig ist nur, dass es ein eher klebriger Rundkornreis ist. Ich habe für zwanzig Onigiri zwei Tassen Reis gekocht.

 

Damit der Reis sich gut verarbeiten lässt, sind außerdem Wasser und ein
Schuss Essig (am Besten Reisessig, normale Essig-Essenz ist aber auch
schon gut) notwendig. Außerdem benötigst du 2-3 Nori-Blätter (das sind die getrockneten Algen, die Sushirollen zusammen halten).


Füllung
Womit du die Onigiri füllst, ist dir überlassen. Für den Anfang würde ich eher kleinere Dinge, zum Beispiel Surimi, Pflaumen oder Fleischbällchen vorschlagen, oder aber breiartige Füllungen. Ich habe hier eine Füllung aus Avocado, Alge, Sesam und Thunfisch zubereitet. Meine ersten Onigiri hatte eine Füllung aus Sojahack und Erdnussbutter, die ich ebenfalls nur empfehlen kann. Wichtig ist, dass es euch schmeckt und nicht zu flüssig ist.

Thunfisch, Avocado, Sesam und Alge. Die Alge gibt’s getrocknet und für nicht allzu viel Geld im Asialaden und wird innerhalb von fünf Minuten in kaltem Wasser groß, grün und vor allem essbar.

Ausrüstung
Du benötigst einen Topf für den Reis, etwas, worin du die Füllung zubereitest, zwei Schälchen, leere Teller für die fertigen Onigiri und, ganz wichtig: Frischhaltefolie.

Zuallererst kochst du den Reis der Anleitung auf der Packung entsprechend. Klebreis lässt sich danach sofort verwenden. Wenn du Sushi-Reis gewählt hast und er nicht klebrig genug ist, dann rühre noch etwas Reisessig und Zucker unter. Das Salzen nicht vergessen!

Während der Reis kocht, kannst du die Füllung zubereiten. Bei meiner habe ich zuerst den Thunfisch und den Sesam in etwas Chili-Öl gebraten und derweil die getrockneten Algen aufgeweicht, die dann gleich viel mehr wie Lebensmittel aussehen:

 

Im Hintergrund schon zu sehen: Die Nori-Blätter habe ich in etwa 3 cm x 8 cm große Stücken geschnitten. Als der Thunfisch braun wurde, habe ich die Avocado dazu gegeben und in der Pfanne zermatscht. Noch ein bisschen Wasser dazu und das Ganze kann fröhlich vor sich hin köcheln, bis zu guter Letzt die Alge untergerührt wird.
Überraschenderweise waren Reis und Füllung zeitgleich fertig -- so etwas gelingt mir selten. In der Zwischenzeit habe ich mir noch den Arbeitsplatz aufgebaut: Zum Formen der Reisbällchen braucht man ein kleines Schälchen, das mit einem großen Stück Frischhaltefolie ausgelegt ist, die auch noch großzügig über die Ränder der Schale guckt. Daneben eine Schale mit Wasser mit einem Schuss Essig darin, das dafür sorgt, dass die Hände nicht innerhalb von zwei Minuten komplett mit Reis zugeklebt sind. Mit ein bisschen Essigwasser könnt ihr außerdem die Frischhaltefolie benetzen, damit der Reis sich auch von ihr gut ablöst.
Die Nori-Blätter sollten vorgeschnitten in Reichweite liegen, ebenso wie ein Teller, auf dem ihr die fertigen Onigiri ablegen könnt. Wenn der Reis ein bisschen abgekühlt ist, sodass ihr euch nicht gleich verbrennt, wenn ihr ihn an den Händen habt, kann’s los gehen.

Zuerst kommt etwa ein Esslöffel Reis in die Schale. Mehr oder weniger bedeutet nicht, dass eure Onigiri nicht gelingen, sondern nur, dass sie größer oder kleiner werden. Der Reis wird mit dem Löffel oder der Hand am Schalenboden flach und breit gedrückt. Für den Anfang würde ich die Reisschicht nicht zu dünn wählen.

Als nächstes gibt’s einen guten Klecks von der Füllung oben drauf. Passt auf, dass er mittig platziert und noch völlig von Reis umrundet ist.
Anschließend bedeckt ihr die Füllung noch einmal mit Reis -- vor Allem von oben, aber auch ein wenig an den Seiten. Auch hier könnt ihr den Reis noch ein wenig flach drücken und verformen.

 

Jetzt kommt der Part, an dem ihr merkt, ob euer Reis noch zu heiß ist oder nicht: Nehmt die Frischhaltefolie an den Rändern hoch und zieht sie über dem Reisbällchen zusammen. Drückt dabei den Reis immer weiter nach unten und zieht die Folie immer fester. Wenn ihr das Gefühl habt, fester kann oder muss nicht, dann könnt ihr es noch formen -- zum Beispiel eiförmig oder zu einem Dreieck. Es kann passieren, dass dabei ein bisschen Füllung heraus suppt. Das macht aber nichts -- außer, wie in diesem Fall, euer Reisbällchen stellenweise etwas grünlich.

 

 

Wenn das Reisbällchen fest genug ist und die gewünschte Form hat, könnt ihr es vorsichtig aus der Frischhaltefolie lösen. Vergesst nicht, immer mal die Fingerspitzen in das Essigwasser zu tauchen, denn sonst klebt sofort alles. Also wirklich: ALLES.
Jetzt zieht ihr eines der getrockneten Nori-Blätter nochmal kurz durch die Wasserschale -- dann lässt es sich besser verarbeiten -- und legt es dann vorsichtig um eine Seite des Reisbällchens. Bei besonders klebrigem Reis werdet ihr spätestens beim Essen dankbar dafür sein, denn das Nori-Blatt ist dann die einzige Stelle, an der ihr halten könnt, ohne am Reis festzukleben. Wer besonders großer Nori-Fan ist, kann die Blätter natürlich auch größer zuschneiden.
Das wiederholt ihr nun so lange, bis nichts mehr übrig ist oder ihr genügend Onigiri habt. Ich habe an dieser Stelle Hilfe vom liebsten Fotografen bekommen und so hatten wir 15-20 Minuten später drei Teller Onigiri. Und die übrig gebliebene Füllung wurde auch ruckzuck weggenascht.
Bis sie wirklich “servierfertig” sind, müssen die Onigiri nun noch eine halbe Stunde bis Stunde lang abkühlen und trocknen. Je nach Füllung sind sie relativ lange haltbar und die idealen Snacks für unterwegs. Wenn ihr gleich für mehrere Tage euer Mittagessen vorbereiten wollt, würde ich empfehlen, keinen Fisch als Füllung zu verwenden und die fertigen Onigiri im Kühlschrank zu lagern.

Ansonsten: Schmecken lassen! Vielleicht findet ihr ja auch noch einen passenden Dip für eure Onigiri. Bei meinen mit Alge und Fisch war’s ja von Anfang an klar: Wasabi und Sojasauce.

 

 

Danke, Wibke Akosua für das schöne Thema! An ein bebildertes Rezept habe ich mich vorher noch nicht rangetraut, fast ebenso wenig an Food Photography. Und zugegebenermaßen waren es ein paar wilde Stunden in der Küche, mit brodelndem Reis, Thunfischstücken, die aus der Pfanne springen und dem Anspruch, nebenbei auch noch eine Schale voller Algen irgendwie appetitlich aussehend zu fotografieren. Respekt an alle Foodblogger -- ohne Hilfe und viel, viel Geduld hätte ich den Post so überhaupt nicht hingekriegt.

Anregungen und sehr hilfreiche Tipps für das Fotografieren von Essen gibt’s übrigens bei Heldenwetter. In meinen Blogalltag wird es sich wohl vorerst nicht einbinden -- aber so viel sei verraten: Im Mai tatsächlich noch zwei mal.

Hier geht’s zu allen Beiträgen der Blogparade Über den Tellerrand. Ich gönne mir beim Lesen jedenfalls erstmal ein paar Onigiri und hoffe, vielleicht jemanden unter euch zum Nachmachen animiert zu haben.

-- Maren

7 Kommentare bei „Über den Tellerrand – Meine kulinarische Reise“

  1. Liebe Maren,
    es freut mich, dass ich dich ein wenig über den Tellerrand schubsen konnte. Deine kulinarische Reise ist super geworden und sollte ich einmal zu viel Zeit haben, werde ich das Rezept mal ausprobieren. Obwohl- vielleicht nicht gerade in meiner eigenen Küche. Klingt ja wirklich spektakulär, was da bei dir in der Küche so los war.

    Hab ein schönes Wochenende und liebe Grüße

  2. Hallo Maren,

    haha ist ja ein toller Post und die Fotos sehen schon sehr appetitlich aus.
    Ich sehe ja sehr gerne japanische Filme oder Dokus darüber, aber auf den Gedanken sie zu machen, wäre ich noch nie gekommen.
    Vielleicht versuche ich es mal, sieht nicht so schwer aus wie ich dachte.
    Liebe Grüße Tanja

  3. Vielen vielen Dank für diesen tollen Tipp! Ich bin ja gerade immer fleißig am Lunchbox-Packen und kann das Rezept dafür wunderbar gebrauchen, klingt wirklich simpel und lässt sich gut vorbereiten 🙂 Sushi-Reis hab ich auch noch daheim, also alles ideal. Ist sogleich abgespeichert. Vielen Dank für die Verlinkung außerdem!

  4. Uhhh, das sieht ja super aus. <3 Danke für dieses tolle Rezept. 🙂 Wäre vielleicht eine gute Idee für meinen Montag – da bin ich nämlich von 8-20h in der Uni und hab auch nie Zeit für die Mensa.

    Danke auch für deinen Kommentar. Das mit den 10km schaffst du mit Sicherheit – einfach trauen! Habe auf meinem Blog auch noch ein paar Lauftipps, falls die dich interessieren.

  5. Jetzt habe ich mega Hunger auf Sushi, verdammt 🙂

    LG
    Steffi

  6. Kann ich sie mit gekochten tunfisch und fertigen garnelen machen und erst abends am nächsten tag essen? Oder wäre das zu spät?

    1. Gut gekühlt sollte das machbar sein. Immer den eigenen Sinnen vertrauen: Was nicht mehr appetitlich ist, ist das meist zu Recht 😉 …aber wenn’s noch frisch aussieht und frisch durftet und alles sorgfältig gelagert ist, würde ich mir da keine Sorgen machen.

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