Passiv-Pescetarier (Teilzeit) #BloggerDenkenNach

Von Aal bis Zebra – Wen esse ich, wen nicht?

Ist das ‘Blogger Denken Nach’-Thema im Mai und eine Frage, die wohl so ziemlich jede Person, die vor die Wahl gestellt ist, wie sie ihre Ernährungsweise gestaltet, schon mal in irgendeiner Form überdacht und entschieden hat.

Haps!

Ich jedenfalls habe sie mir schon öfter gestellt – aber von ganz vorn:

Das Hauptproblem: Alles eklig.
Irgendwann erwähnte ich es hier schon mal: Ich gehöre zu den mäkeligsten Menschen, die ich kenne. Als Kind war das noch tausendmal fieser als heute, denn es hat fast bis zu meiner Einschulung gedauert, bis Käse und Wurst es überhaupt auf meinen Speiseplan geschafft haben. Pommes und Nudeln – aber letztere bitte nur mit Gulaschsauce, die Oma gekocht hat, oder Kindergartentomatensauce – waren wohl meine Hauptnahrungsmittel bis dahin. Das hat sich glücklicherweise deutlich gebessert und ich mag mittlerweile viele verschiedene Dinge wirklich ausgesprochen gerne. Nur mit zweien stehe ich noch immer ganz schön doll auf Kriegsfuß.

Uncool: Obst und Gemüse sind einfach nicht mein Ding.

(Zur Obst- und Gemüseunterscheidung: Ich trenn das jetzt einfach mal in süße und nicht süße Früchte und eier nicht noch ewig rum. :))
Es gibt ein paar Obstsorten, die sind okay. Äpfel, Weintrauben, Beeren, Melone, Mango …ja, kann man mal machen. Dass ich mich auf etwas wirklich freue, kommt allerdings sehr selten vor. Nach über 25 Jahren als Mäkelkinddasein hat es sich aber ergeben, dass Dinge, die nur unter “essbar” laufen, nicht “voll lecker”, es enorm selten auf meinen Speiseplan schaffen.
Bei Gemüse sieht es ähnlich aus, aber immerhin ein bisschen besser: Salat, Avocado, Pilze, Spinat und Oliven gehen klar und kommen darum auch ziemlich häufig auf den Tisch.

 

Ja …und welche Entscheidungen ergeben sich daraus?

Ganz konkret und jahrelang: Gar keine. Da mein Speiseplan traditionell unglaublich begrenzt ist, habe ich schlichtweg nie die Möglichkeit gesehen, überhaupt irgendetwas zu streichen. Vor allem in Restaurants oder bei Familienfeiern stehe ich eh schon doof da und möchte einem “Äh …könnte ich das bitte ohne Tomate haben?” nicht noch ein “Ach, und ohne Fleisch.” hinzufügen und letzten Endes trockene Nudeln essen – schon blöd, aus dem Pommes-mit-Ketchup-Alter raus zu sein, bevor man bereit dafür ist.

Tja, und dann war ich plötzlich mit einem Vegetarier zusammen. Anfänglich haben wir uns zwar etwas doof angeschaut – eine isst kein Gemüse, einer kein Fleisch – und uns gefragt, was wir bloß zusammen kochen sollen, aber alles hat sich superschnell eingepegelt und wir kochen auch heute noch die leckersten Dinge …und essen sie beide zusammen. ♥ Im Alltag habe ich vorher schon nur noch sehr wenig Fleisch und Wurst gegessen und dann beides bald komplett aus dem Kühlschrank verbannt – auch wenn es ihn nicht stören würde.

Die Bezeichnung “Passiv-Vegetarier” finde ich ganz passend, weil ich das vegetarische Essen einfach so mitnehme. Ich habe nie die Entscheidung getroffen, zumindest teilweise vegetarisch zu leben, es hat sich so ergeben – und ich bin sehr glücklich darüber. Während ich früher aus purer Einfallslosigkeit Wurst gegessen oder mir ein Stück Hähnchenbrust angebraten habe, gibt’s jetzt eben Gerichte ohne Fleisch, dafür aber meistens mit deutlich mehr Zutaten.

Und “Teilzeit”? In Restaurants und auf Familienfeiern esse ich trotzdem von Zeit zu Zeit Fleisch. Entweder, weil ich sonst eben tatsächlich mit trockenen Nudeln auf dem Teller enden würde, oder weil ich weiß, dass meinem Fleischkonsum weder Massentierhaltung noch industrielle Schlachtung voran gegangen sind.

 

Bei Fleisch hört’s ohnehin auch auf.

Wie vermutlich schon anklang: Wir gehen das Thema beide sehr locker, dabei aber einigermaßen vernünftig an. Fisch, Käse, Milch und Eier kommen bei uns genauso auf den Tisch wie Lederschuhe an die Füße – nur halt in Maßen und, wenn möglich, aus einsehbarer und für gut befundener Produktion.

Meinetwegen leiden und sterben also Tiere.
…dessen bin ich mir bewusst und dieses Bewusstsein stärkt wiederum bewussten Konsum. Nicht immer, aber wenn Finanzen und Erreichbarkeit es zulassen, gibt es darum umso lieber Produkte aus dem Bioladen, von kleineren Bauernhöfen und aus kleineren Betrieben. Bei Produkten aus Supermärkten ist die Einsehbarkeit leider deutlich weniger gegeben – für das Problem, nicht irgendein beliebiges Stück Käse kaufen, aber eben auch keine 10 € dafür ausgeben zu müssen, habe ich zugegebenermaßen noch keine Lösung gefunden. Sprich, bei vielen Produkten ist der Wunsch da, tierfreundlicher zu leben, doch die Umsetzung scheitert. Das “ich konsumiere alles in Maßen und nehme es bewusst wahr” ist zwar ganz nett gedacht, im Endeffekt aber wohl auch eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ich denke aber nicht, dass bei Tieren zu Ende gedacht ist.
…sondern dass Menschen und allgemein die Umwelt – also Pflanzen, Böden, Wasser und Luft – ebenso in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden müssen. Als konkretes Beispiel für diesen Gedanken fiele mir ein, dass ich lieber eine zeitlose Lederjacke für – wenn alles gut geht – diverse Jahrzehnte trage, als dass ich mir alle paar Jahre oder sogar jährlich ein neues Teil aus Baumwolle besorge, weil es nicht mehr modisch oder eben kaputt ist. Oder dass eine vegan lebende Person, die ständig Lebensmittel aus Soja und mit Palmöl isst, eventuell auch noch nicht ganz zu Ende gedacht hat (Soja und Palmöl seien hier mal beispielhaft für großindustriellen Anbau, häufig in Monokulturen und in starker Verbindung zu Tier- und Pflanzensterben sowie Bodenerosion genannt.). Oder die Frage, ob es besser ist, ein Gemüse zu essen, das einen langen Transportweg bis auf den Teller benötigt, oder eben ein Stück Käse aus regionaler Produktion.

Also …?
…bleibe ich vorerst beim Wischiwaschi, das sich in der Umsetzung gut macht und in die Kategorie “Besser als gedankenloser Konsum” fällt: Fleisch nur in Ausnahmesituationen. Fisch und weitere tierische Produkte gehören fest dazu, werden aber bei bestmöglichen Quellen erstanden. Ich freue mich immer sehr über veganes Essen, aber es ist bei weitem kein Muss.

Kochen und Essen sind nicht nur bloße Notwendigkeit, sondern mit Spaß und Genuss verbunden und darum gibt’s nur appetitanregende Lebensmittel – eine Eigenschaft, die Großpackungen, Käseaufschnitt, Billigwurst und Fisch aus unklaren Fangregionen für mich ohnehin nicht haben.

Und ihr so?
Wie verbindet ihr Genuss, Gewohnheit, Geld und Gewissen, die beim Thema Essen mit von der Partie sind? Gibt es Lebensmittel, auf die ihr nie verzichten würdet? Oder solche, bei denen es euch überraschend einfach fällt, sie vom Speieseplan zu streichen?

Diskutiert gerne in den Kommentaren – oder macht direkt bei ‘Blogger Denken Nach’ mit und schreibt und verlinkt euren eigenen Blogpost zum Thema.

– Maren

4 Kommentare bei „Passiv-Pescetarier (Teilzeit) #BloggerDenkenNach“

  1. Toller Artikel! Ich tu mir auch schwer damit, mir Margerine als guten Ersatz vorzustellen. Da ersetzt man das eine Übel durch ein anderes, meiner Meinung nach.

    Milchprodukte vom Speiseplan zu streichen ist für mich momentan völlig undenkbar. Auf Fleisch zu verzichten fällt mir die meiste Zeit nicht schwer. Bei Familienfeiern oder beim Essen gehen wirds dann allerdings etwas knifflig. Traditionelle Osterjause ist bei mir also eher untraditionell mit Käse statt Selchfleisch, bspw.

    Liebe Grüße, Daniela

  2. interessanter Zugang – ich als Allesessering (Innereien sind da die riesengroße Ausnahme) würd mich schon etwas leichter zu tun Dinge vom Speiseplan zu streichen – das tue ich aber weniger bewusst, es ergibt sich aus einem saisonalen und regionalen Zugang.

    Und essen muss ja nicht bei jedem den gleichen Stellenwert einnehmen. Ich habe ein paar Freunde, die Essen als reine Nahrungsaufnahme betrachten und dadurch auch jeglicher Diskussion um "was kann/soll/darf man essen?" skeptisch gegenüberstehen.

    Meine Überlegungen zum Mai-Thema kommen am Montag – bin schon gespannt was die anderen noch schreiben werden.
    Liebe Grüße Steffi

  3. Ein echt interessantes Thema, was bis zum Umfallen diskutiert werden könnte!
    Ich (14) bin mittlerweile seit gut 4 Jahren (ich bin mir da nicht ganz sicher:D ) Vegetarierin. Der Appetit auf Fleisch ist mir einfach von einen Tag auf den anderen vergangen. Eigentlich wollte ich schon immer Vegetarierin werden, aber erst an diesem Tag habe ich meinen Entschluss gefasst. Das mir Fleisch fehlt oder gefehlt hat, kann ich nicht sagen, da ich überhaupt keine Probleme damit habe.
    Aber was Milchprodukte betriftt, würde ich es nicht lange aushalten. Trotzdem habe ich mir eigentlich mal vorgenommen, zumindest ein paar Tage lang vegan zu essen.
    "Perfekt" zu leben, zumindest was das Essen betrifft, ist glaube ich nicht möglich. Verzichtet man auf das eine, muss man dafür aber Frucht xy von der anderen Erdhalbkugel kaufen und da muss man dann für sich selber entscheiden, was einem wichtiger ist…

    Viele Grüße

    Hannah von TheirlifeTheirstyle

  4. SChöner Artikel zur Reihe! (Mein Post kommt am Mittwoch und ich werd dir das #BloggerDenkenNach aus dem Post-Titel stehlen, denn das gefällt mir gut 😉 )

    Mein Freund ist ja Allesesser, ich bin Vegetarierin. Anfangs hat er nicht geglaubt, dass er es auch nur einen Tag ohne Fleisch aushalten könnte. 😉 Jetzt nach über 4 Jahren des Zusammenlebens, ist er ein besserer vegetarischer Koch als ich und kommt mit seinem "Flexitarier-Dasein" sehr gut klar. 🙂

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