Blogger denken nach: Mein Kleiderschrank muss sich verändern.

So, nun lege ich auch mal los, mir zum “Blogger denken nach”-Thema im März – “Von Adidas bis Zalando – Bei wem kaufe ich, bei wem nicht?” echte Gedanken zu machen und nicht nur anzukündigen.

Warnung: Hinter dieser Tür ist es nicht nur sehr dunkel, sondern auch sehr voll – mein Kleiderschrank.

Die Frage, bei welcher Marke oder welchem Shop ich in Zukunft einkaufen möchte, kann ich vorweg schon knapp beantworten: Bei keiner, bei keinem, gar nicht. Zumindest für’s Erste. Und so kam es dazu:

Wie ich bisher eingekauft habe

Ich mag Klamotten. Ich mag auch Mode und ich mag auch Trends. Ich finde es spannend, Kleidung auszuprobieren, mit Farben und Formen zu spielen und mit Details zu schmücken. Das fing vor etwa zehn Jahren an und das wird jetzt auch nicht aufhören – soll sich jetzt aber in seiner Umsetzung grundlegend ändern.

Seit ich mir meine Kleidung selber kaufe, habe ich das recht unbedarft getan und tendenziell eher so eingekauft, wie ich’s gerade gebraucht habe, Spontankäufe, die lediglich durch Herzchen in den Augen gerechtfertigt waren, aber auch nicht abgelehnt. Natürlich habe ich allein durch’s studentische Portemonnaie hauptsächlich bei günstigen Ketten eingekauft und nebenbei einen Großeinkauf von Sommerklamotten in den alljährlichen Thailandurlaub verschoben. Das Einzige, bei dem ich immer viel Wert auf Qualität gelegt habe, waren und sind Schuhe. Bei denen macht sich geringe Qualität nicht nur in der Haltbarkeit bemerkbar, sondern auch in der Optik. Nennt mich abgehoben, aber ich finde billig aussehende Schuhe einfach nicht schön.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe Kleidung nicht übermäßig angehäuft, aber trotzdem nie groß darüber nachgedacht, welcher Kauf jetzt wirklich sein muss. Und wenn ich darüber nachgedacht habe, dass die Sachen ja sicherlich nicht aus in irgendeiner Weise fairer Produktion stammen, den Gedanken mit einem schnellen “naja, wenn ich ein ordentliches Einkommen habe, kaufe ich schon fair Produziertes” weggeschoben.

Das soll sich jetzt ändern.

Nachdem ich letztes Jahr bereits problemlos auf Einkäufe bei Amazon verzichtet habe, dariadaria bis vor kurzem ein tolles Beispiel für eine Umstellung des eigenen Konsumverhaltens war und mein Freundeskreis glücklicherweise auch nicht übermäßig shoppingfixiert ist, fiel Anfang des Jahres der Entschluss, es einfach mal zu versuchen und auf Einkäufe bei H&M, Mango, Zara & Co völlig zu verzichten. Gutscheine vom letzten Geburtstag können noch auf den Kopf gehauen werden, aber dann ist Schluss.

Von außen soll sich an diesem schicken Ding bitte gar nichts ändern!

Was kaufe ich stattdessen?

Diese Frage habe ich lange überdacht. Ewig lange. Und so viele Probleme gefunden. Allzu ökologisch wertvoll möchte ich nicht aussehen – das bin einfach nicht ich. Ein Blick in den lokalen Bio-Klamottenladen offenbarte mir, dass das Angebot in dieser Optik allerdings ziemlich groß ist. Designerklamotten? Immer gerne – allerdings finde ich es auch hier teilweise schwierig, auszumachen, wo und von wem die Kleidung denn nun eigentlich prozuziert wurde. Wenn das Fairness-Barometer sein Okay gibt, kommt dann auch noch der Preis ins Spiel. Ich finde die Idee gut, sich statt zehn billiger ein teures Teil zu kaufen (und es jahrelang zu tragen) und würde das auch tun – wäre da nicht der Umstand, dass ich regelmäßiges auf Festivals, beim Camping und generell an Orten bin, an denen ich mir um eine Strickjacke für 200 € ständig Gedanken machen müsste. Fällt also auch erstmal aus. Nur Second Hand? Mh. Wenn ich mich und das Angebot der meisten Leipziger Second Hand Läden richtig einschätze, würde ich in kürzester Zeit zum Klischee-Hipster in Strickpulli mit Bärchen drauf mutieren. Auch nicht so pralle. Online gebraucht einkaufen ist mir schnell viel zu anstrengend geworden, fällt also auch raus.

Und plötzlich, vor’nem Monat oder so, guckte die Lösung mich aus dem Kleiderschrank an: Ich kaufe erstmal gar nicht ein. Ich habe genügend Klamotten für jede Saison, viele Kleider, drei Hosen, ausreichend T-Shirts, sehr viele warme Sachen, Unterwäsche und Socken gehen auch noch klar. Dann kann das doch so bleiben.

Düster, dunkel und vor allem: Voll. Perfekt – mehr brauche ich erstmal gar nicht.

So einfach das klingt, dieser Gedanke war für mich enorm erleichternd – ich muss mir ja gar nicht so große Gedanken machen, wo ich kaufe, sondern handle am allerbesten, wenn ich einfach nur das trage, was ich ohnehin schon besitze.

Merkt das Kennerauge was? H&M, pimkie, und sogar Sheinside und Primark tummeln sich in meinem Schrank. Für mich kein Grund, die Stücke sofort zu ersetzen, aber dafür, zu versuchen, ihnen ein langes Leben zu geben – und die jeweiligen Unternehmen in Zukunft zu meiden.

Was ändert sich denn dann im Kleiderschrank?

Klar, erstmal gar nichts. Aber das bedeutet im Vergleich zu dem stetigem Wachsen vorher ja auch eine Veränderung. Die Sachen, die das letzte Jahr eher in hinteren Ecken des Schranks verbracht haben, werden wieder hervorgeholt, genau angeschaut und anschließend hoffentlich wieder häufiger getragen – oder eben doch aussortiert. Was kaputt geht, möchte ich so gut es geht reparieren, statt es (wie bisher üblich) einfach trotzdem zu tragen, bis es so kaputt ist, dass ich es wegwerfen muss.

Und wenn ich doch etwas kaufe?

Ich werde nicht drumrum kommen mal etwas Neues anzuschaffen, das ist mir klar – spätestens, seitdem ich letzte Woche bestimmt zehn Minuten lang vor wunderbar wind- und wetterfesten Handschuhen mit Anti-Rutsch- und touchscreenfähiger Beschichtung (ich meine ..Wow?!) stand.

Aber ab jetzt werde ich mit Bedacht einkaufen und mir Zeit dafür nehmen. Ganz nach dem Motto “Ich bin zu arm, um billig zu kaufen”, werde ich eher auf Qualität achten als auf den Preis. Second Hand Läden werden trotz Hipstergefahr natürlich nicht gemieden – ein paar schöne gebrauchte Teile besitze ich ohnehin schon.

Dass es sich völlig vermeiden lässt, in Asien produzierte Kleidung neu zu kaufen, damit rechne ich nicht, denn dafür sind outdoorkompatible Teile (Hallo Handschuhe ♥) zu verlockend. In diesem Bereich der Bekleidung ist es aber immerhin möglich, sich Firmen auszusuchen, die unter bestimmten Sicherheits- und sozialen Standards produzieren lassen.

Inspiration?

Hat euch ja vielleicht bereits dieser Text gegeben. Ich werde sicherlich spätestens Ende des Jahres berichten, was sich in meinem Kleiderschrank getan hat. Vielleicht ja gar nichts, das wäre okay.

Bei ohmarylane gibt’s einen sehr spannenden Text …darüber, wie Leni ihr Kaufverhalten umgestellt hat und wie das für sie funktioniert.

Bei Green Bird bekommt ein Kleid ein neues Leben als Rock.

Bei magnoliaelectric wird auf’s Shoppen gleich komplett verzichtet.

Ich gehe die Sache lockerer an, seit ich diesen Onlineshop kenne, der ziemlich schicke fair produzierte Basics aus Bio-Baumwolle anbietet – und noch einige andere Teile, die eben nicht wie eine mögliche Uniform eines Nassfilzvereins (No offence!) aussehen.

Was meint ihr dazu? Alles Banane oder sind Veränderungen dringend nötig? Würde euch eine Umstellung von H&M und Trendartikeln hin zu weniger Konsum, fairer Produktion und Herstellung mit Biosiegel leicht fallen oder eher nicht? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Hier findet ihr alle Blogposts zum Thema.
Bis zum 31.03. könnt ihr außerdem selbst eure Posts einreichen.

– Maren

9 Kommentare bei „Blogger denken nach: Mein Kleiderschrank muss sich verändern.“

  1. Ich halte die Sache mit dem Neukauf seit mittlerweile einem Jahr ähnlich wie du. Was nicht unbedingt sein muss, wird verschoben. Was sein muss (wie neue Winterschuhe) versuche ich in höherer Qualität zu kaufen. Die billigen Kunstlederschuhe habe ich mittleweile alle aussortiert. Gute Schuhe haben ja auch ein besseres Fußklima und stinken nicht so schnell…

    Da ich auch viel selber nähe, kommt ohnehin immer mal wieder was neues dazu. Wenn es dann doch nicht so gut sitzt oder mir nicht mehr gefällt wirds bei der nächsten Kleidertauschparty hoffentlich an die Frau gebracht, ansonsten wird das Stück halt aussortiert. Ich geh die Sachen nicht horten, nur weil sie selbst gemacht sind. Steckt zwar viel Arbeit drin, aber wenns nicht passt, was solls…

    Ich find die Idee auch mal gut, einfach die vorhandenen Stücke zu aufzutragen, neu zu kombinieren und dergleichen. In der Zeit kann man sich ja Gedanken um andere fair produzierte Stücke machen die nicht nach Filzverein aussehen 😉 Dieser Look hat mich auch immer gestört, aber mittlerweile wirds besser.
    Der Shop "Perviva" ist von meinem Arbeitsplatz super einsehbar und hat einige sehr schöne und schlichte Baumwollkleider und Shirts, die sehr gemütlich und auch teilweise outdoortauglich aussehen.

    Liebe Grüße, Daniela

    1. O ja, selber machen wird auf jeden Fall auch 'nen höheren Stellenwert einnehmen (müssen). Bisher blieb's da meist bei Schals, Mützen und Stirnbändern, aber vielleicht trau ich mich auch endlich mal wieder, mir selbst ein schönes Teil zu nähen.

  2. Finde ich eine super Einstellung, hoffe du behältst sie bei.
    Ähnlich halte ich es schon mein Leben lang, aber auch deshalb, weil ich generell ein Shopping-Muffel bin 🙂

    1. Danke 🙂 Ja, das hoffe ich auch! Das Shoppingmuffeldasein will ich mir ja eigentlich gar nicht aneignen und trotzdem Dinge haben, die in die aktuelle Mode passen – aber ich hoffe einfach mal, dass da mit Selbermachen, Second Hand und Umarbeiten viel zu machen ist.

  3. Echt schöne Gedanken und eine gute Einstellung! Ich kaufe auch wenig und wenn, dann meistens Second Hand. Aber zu eine komplette "ganz oder gar nicht"-Einstellung find ich persönlich auch schwierig. Manche Dinge brauche ich einfach, die werden dann ganz normal gekauft – und ein paar Mal im Jahr sind bei mir auch Sinnloskäufe in konventionellen Läden erlaubt… Finde ich persönlich auch gar nicht schlimm.

    Ich muss aber persönlich sagen, dass ich die meisten Fairtrade- und Bio-Klamottenlabels richtig cool finde, ich kann/will mir die Sachen halt nur einfach nicht leisten, da bleib ich lieber bei Second Hand 😀 Kennst du zum Beispiel Armed Angels, Continental Clothing oder Kuyichi? Ach ja, und das Angebot in den meisten Second Hand-Läden ist echt gemischt – da ist vom Hipster-Pulli über Oma-Hosen bis zu normalen H&M/Zara/…-Sachen wirklich alles dabei. Auf Flohmärkten findet man auch oft tolle, ganz normale Sachen, da verkaufen schließlich auch Privatleute wie du und ich ihren alten Kram 🙂

    1. Jaa, zumindest Armed Angels kenne ich 🙂 Hab mir letztens mal den Shop angeschaut und konnte mich aber noch nicht entscheiden zwischen "Wow, megagut" und "Ih, das sieht ja aus wie bei Esprit" 😉 Ich bin da wohl ein Mäkelkind und wenn nicht alles perfekt ist, besonders bei höherpreisigen Dingen, kann ich mir alles unheimlich gut ausreden.

      Aber ja, auf Flohmärkten und in Second Hand Läden werd ich mich – wenn's denn dann soweit ist – definitiv mehr umsehen 🙂 Ein paar echt gute Teile von leicht angehipstert bis zu völlig standard habe ich bereits, allerdings alles wirklich große Glücksgriffe.

  4. Wow. Den Post finde ich echt toll! Ich mache mir zur Zeit auf ziemlich viel Gedanken über dieses Thema und da passt dein Post echt super rein. Danke für den Denkanstoß!
    Liebe Grüße Claire

  5. Sehr schöne Gedanken zum Thema. Ich stecke ja gerade mitten im Umzug und habe daher jedes Teil aus meinem Kleiderschrank in den letzten Tagen mindestens einmal in der Hand gehabt. Und auch ich hab mir gedacht: wow, ich besitze wirklich von allem mehr als genug. Daher werde ich meinen zukünftigen Bedarf, falls wirklich irgendwas gebraucht werden sollte, immer zuerst versuchen ihn durch Second-Hand-Shopping zu decken.

  6. Wow their wedding ceremony venue looks magical! Beautiful and gorgeous photos.

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