Durststrecken im Studium – Einmal Motivation, bitte!

Es ist mal wieder soweit – wobei, für einige vielleicht auch gerade so schon vorbei: Das Studentenleben zeigt sich von seiner hässlichen Seite und schmeißt nicht nur die Langzeitfaulenzer (wie jedes Semester wieder) völlig unvorbereitet in die Prüfungszeit. Nach 13 Semestern – und damit zwölf Prüfungszeiten, unzähligen Referaten, einigen Haus- und zwei Bachelorarbeiten – denke ich, bin ich mittlerweile durchaus gut informiert, was das alles bedeuten kann.
Im Moment stecke ich in einer Prüfungszeit, die zwar kaum Aufwand fordert (zwei Prüfungen à fünf Punkte …geht schon!), mir aber ungeahnt viel Motivation abverlangt. Die Themen interessieren mich nur so mäßig, ich möchte es einfach nur hinter mir haben und habe dazu auch noch ganz schön viel Wichtiges und auch Schöneres um die Ohren.
Genauso habe ich aber auch schon Prüfungszeiten hinter mir, in denen ich supermotiviert unheimlich große Mengen an Lernstoff durchgearbeitet habe. Hausarbeiten, die an einem Tag durchgerockt wurden. Referatspartner, die an Flachzangigkeit kaum zu überbieten waren. I’ve seen it all.
Darum gibt’s hier und jetzt ein paar Tipps, wie man die schwierigen Momente eines Studiums gut über die Bühne bringt, und die sich sicherlich auch ganz gut auf knifflige Aufgaben und Durststrecken in anderen Lebensbereichen übertragen lassen.
Also: Durchlesen, merken, ausprobieren!
Halte durch.
Manchmal sind es nur einzelne Tage oder sogar nur Stunden, die so richtig, richtig fies sind. Lehn’ dich mal zurück und sage dir, dass es bald geschafft ist. Dass andere es schon vor dir geschafft haben. Dass du selbst ähnliche Situationen schon gemeistert hast. Dass das, was du grad machst, genau das ist, was du willst – oder was dir dabei hilft, das zu erreichen. Dass du ziemlich gut bist und das Kind schon schaukeln willst. Und dann …
Mach mal Pause.
Klar ist man nachträglich stolz auf das Referat, das nach acht Stunden endlich fertig ist. Und quält sich mit dem Gedanken daran und einem „nur noch fünf Seiten!“ durch die Hausarbeit, obwohl morgen auch noch Zeit dafür wäre. Achte auf dich selber und sieh ein, wenn es zu viel wird. Pausen können wahre Wunder bewirken. Ob sie nun zehn Minuten lang sind oder einen ganzen Tag – richtig gesetzt können sie deiner Energie und Motivation einen echten Schub verpassen. Mach mal etwas völlig anderes und denke auch an …
Belohnungen.
Klar, ein schwieriges Thema, denn intelligente Wesen zu konditionieren ist irgendwie immer doof. Wenn du aber merkst, dass es weniger ein Sich-Selbst-Verarschen ist als ein einfacher Trick, dir neue Arbeitslaune zu verpassen, warum nicht? Intrinsische Motivation (Also die, die dich dazu bringt, zu schuften, einfach weil du’s willst, weil du dich damit gut fühlst und dein Ziel erreichen willst.) kann kaum ständig vorhanden sein und extrinsische (Die dadurch entsteht, dass du aus dem Zielerreichen einen Vorteil ziehst, der nichts mit dem Ziel an sich zu tun hat – also beispielsweise eine fette Pizza für ein gutes Referat.) zumindest kurzfristig einen akzeptablen Ersatz darstellen.
Worin die Belohnung besteht, das entscheidest du selbst. Ich habe mal mit ziemlich guter Laune an einem Tag sämtliche Vorlesungen eines Moduls für das Semester nachgearbeitet – einfach nur dadurch, dass ich nebenbei eine Mütze gehäkelt habe und für jeden geschafften Foliensatz eine Reihe häkeln durfte …und dann abends da saß, mit einem vollständigen Ordner vor mir und einer Mütze auf dem Kopf. Ein gutes Essen („Wenn der Tag in der Bibliothek geschafft ist, gehe ich nach Hause und mache Lasagne“) hat auch noch nie sein Ziel verfehlt. Und solange du nicht jeden Minischritt mit Exzess belohnst, besteht auch kein Problem darin, nach einer be- oder überstandenen Prüfung mal eine Nacht auf der Tanzfläche oder an der Bar zu verbringen.
Am meisten Spaß macht das Ganze aber natürlich nicht alleine, sondern mit Freunden:
Suche dir andere Leute mit gleichen Zielen.
In der Gruppe lernen ist meiner Erfahrung nach wesentlich angenehmer und in manchen Fällen auch erfolgreicher als alleine. Man verliert, zumindest in der richtigen Gruppe, nicht so leicht den Fokus und kann sich gegenseitig dazu anspornen, dabei zu bleiben. Und wenn man fertig ist (egal, ob nun mit dem gesamten Projekt oder nur einem kleinen Teil), kann man sich gemeinsam belohnen und feiern, was man geschafft hat.
Es müssen natürlich gar nicht zwangsweise die Leute sein, mit denen du an einem Projekt arbeitest oder die das gleiche studieren wie du. Wenn dein Partner oder deine beste Freundin
etwas anderes studiert, aber auch lernen muss? Setzt euch zusammen hin und arbeitet. Am besten funktioniert das mit ein paar kleinen Absprachen: Wann darf man dem anderen etwas erzählen? Wann ist die Arbeitszeit vorbei und was passiert dann? Wenn einer von euch allerdings ein lauter Lerner ist und ständig murmelt, flucht oder singt, kann es besser sein, in unterschiedlichen Räumen zu arbeiten und sich in den Pausen zu treffen.

 

Wenn all das partout nichts bringen will, können das aber vielleicht die folgenden zwei Punkte.
Hole dir Hilfe.
Wenn du das Gefühl hast, in Arbeit zu versinken, nicht mehr zu können und nicht mehr zu wollen, dann bleib damit auf keinen Fall allein. Sprich mit Leuten, die dir in solchen Situationen gut tun, über deine Lage. Jeder Mensch geht anders mit Bergen von Arbeit, mit Motivationstiefs, mit Stress und mit Leistungsdruck um – du bist nicht schlechter oder schwächer als andere, wenn du dich überwältigt fühlst. Es ist völlig in Ordnung, einer Situation nicht gewachsen zu sein oder sich jedenfalls so zu fühlen. Lass das „Ich kann nicht“ niemals an deinem Selbstwertgefühl nagen.
An vielen Universitäten gibt es außerdem psychosoziale Beratungsstellen. An diese kannst du dich mit Problemen jeglicher Art wenden – Stress im Studium ist aber oft ein besonderes Thema, mit dem dort häufiger umgegangen wird. In der psychosozialen Beratung kannst du (sowohl in einer einmaligen Sitzung als auch in mehreren Gesprächen) deine Lage schildern und die Problemsituation aufdecken. Vielleicht wirst du dort mit Fragen konfrontiert, die du dir selber noch nie gestellt hast. Neben der Tatsache, dass es sehr wohltuend sein kann, mit einer außenstehenden Person darüber zu reden, erhältst du außerdem Anregungen und Strategien, wie du mit deiner Situation umgehen kannst. Wenn du das Gefühl hast, dass dir der Besuch gut tun würde, zögere nicht lange (Merke: „Verrückt“ ist daran gar nichts.), informiere dich und lass dir einen Termin geben. Die Beratung ist kostenlos und kann dich, wenn nötig, an andere  Therapiestellen und Gruppen weiterleiten.
Überlege dir, was du wirklich willst.
So niederschmetternd das klingt: Kann es sein, dass dein Motivationstief und das Widerstreben angesichts vieler Aufgaben daran liegen, dass du im Allgemeinen keinen Bock auf das hast, was du da gerade machst? Dass du aus Selbstverständlichkeit studierst und noch gar nicht hinterfragt hast, ob du später überhaupt in einem akademischen Beruf arbeiten möchtest?
Klar, wenn du keine Motivation findest, ein Referat vorzubereiten, muss das natürlich lange nicht daran liegen, dass du insgeheim dein Studium hasst, das wäre völliger Quatsch. Ich denke aber, es gibt eine ziemlich große Anzahl von Studierenden – und dazu muss ich mich selber auch zählen – die einfach um des Studierens willen an die Uni gegangen sind, sich dort aber nur für wenig begeistern können.
Natürlich ist die Zeit an der Uni oder Fachhochschule für viele – und dazu darf ich mich selber auch zählen – großartig und unersetzlich und man lernt in jedem Fall ordentlich was dazu. An einem gewissen Punkt des „Ich will aber nicht! Und ich kann auch nicht!“ muss man sich aber vielleicht auch eingestehen, dass man da gerade an nichts arbeitet, das langfristig Erfüllung verschaffen könnte. Und dann mal ganz genau überlegen, was man wirklich möchte.
Was denkt ihr? Habt ihr noch weitere Strategien, die euch aus einem Motivationstief heraus befördern können? In wie weiter Ferne liegen die Semesterferien für euch noch?
– Maren

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