Offensiver Feminismus? Ja, bitte!

Feminismus: Feministische Kämpfe in die Offensive!

Der 8. März, Weltfrauen- oder Frauenkampftag – in jedem Fall ein guter Tag, um über Feminismus zu reden. Während da längst nicht alles erreicht ist, versuchen die ersten Hassnasen schon, das Erreichte ins Wanken zu bringen. Ein paar Gedanken, etwas Anlehnung an die Janes und viel Sympathie für die Frauenkampftags-Demonstrationen.

Feminismus: Feministische Kämpfe in die Offensive!
Feministische Kämpfe in die Offensive: Unter diesem Motto wird am 11. März in Leipzig demonstriert. Mir gefällt das ziemlich gut!

Diese kleinen Situationen

„Was? Ich dachte, du bist eine Frau. Ihr seid doch multitaskingfähig. Das musst du doch können!“

Während meine Hände ruhig auf der Tastatur verweilen, vollführt mein Gesicht eine vollständige Entgleisung. Ich nehme an einer Diskussionsrunde teil und weil die ziemlich spannend ist, tippe ich ein ausführliches Protokoll. Ein paar kluge Ausführungen festzuhalten ist immer gut. Eine von denen hat mein Sitznachbar soeben von sich gegeben, doch während die ersten Worte im Textdokument vor mir erscheinen, habe ich die darauffolgenden nicht mehr wahrgenommen. Und auf die Bitte, sie zu wiederholen, gibt’s die Ansage, dass das doch bitte nicht geschehen soll. Denn ich bin ja eine Frau und soll daran bitte auch keine Zweifel aufkommen lassen.

Momente wie dieser sind es, die in meinem Alltag zu erwähnten Gesichtsentgleisungen und Akutgrummeleien führen. Aber Momente wie dieser sind es auch, die mich realisieren lassen, in was für einer komfortablen Situation ich stecke.

Feminismus im Jahr 2017? Ja, bitte!

Ich kenne Menschen, die sagen, Feminismus sei veraltet, ein unfairer Kampf verbitterter Frauen und wir sollten uns alle nicht so haben. Auch mein Sitznachbar versteht nicht, warum aus meinen wieder eingerenkten Gesichtszügen die Bitte tönt, mich mit sexistischen Aussagen in Ruhe zu lassen. War doch als Kompliment gemeint!

Und überhaupt: Frauen dürfen hier doch mittlerweile alles, auch mehr als nur arbeiten und wählen. Und „schwul“, das sei doch auch nur noch Beleidigung auf Schulhöfen in Kleinstädten, deren Namen viel größere Schimpfwortqualitäten besitzen. Können wir jetzt bitte Harmonie einkehren lassen?

Ungern. Wie wäre es stattdessen, miteinander zu reden und zu diskutieren? Dann könnte ich dir nämlich auch einfach erklären, dass ich als Individuum wahrgenommen werden möchte, nicht als Rollenklischee.

Ausnahmslos, queer, grenzenlos

Wie komfortabel und klein dieses Problem ist, zeigen mir nicht nur einige andere Erlebnisse, sondern vor allem der Blick über den Tellerrand. Ich identifiziere mich als weiblich und mein Umfeld erkennt das problemlos an. Würden mein Partner und ich unsere Beziehung um Eheschließung und Kinder ergänzen wollen, würde uns niemand – und schon gar keine Gesetzgebung – Steine in den Weg legen. Ich bin keiner rassistischen, religiösen oder ableistischen Diskriminierung ausgesetzt. Von diesem Standpunkt aus kann ich nicht für die Menschen sprechen, die diese Privilegien nicht haben. Genauso unangemessen wäre es aber, Kämpfe zu negieren, nur weil ich sie selber nicht erlebe.

Feministische Kämpfe sind nicht das plumpe „Die Frau über den Mann stellen“, mit dem Antifeminist*innen sich gerne in fragwürdige Opferrollen begeben. Sie sind die Kampfansage an Diskriminierung, an Geschlechterdichotomie und Heteronormativität. Sei, wer du bist, sei, wer du sein willst und liebe, wen du möchtest. Ausnahmslos und solidarisch und ohne Ungerechtigkeiten und Ungleichwertigkeitsideologien zu akzeptieren.

In die Offensive?

Unbedingt und das längst nicht nur, weil ich keine Lust habe, erst im Nachhinein zu erklären, was denn an einer Äußerung grad Mist war. Nicht nur, weil das Ende der Fahnenstange nicht erreicht ist, sondern auch, weil sie sonst ins Schwanken gerät. Weil Diskriminierung real ist, weil sexualisierte Gewalt gegen Frauen real ist, weil Sexismus und Mackertum real sind. Weil die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ein wichtiges und längst nicht immer erreichtes Gut ist. Weltweit versuchen völkische Bewegungen Macht über Frauenkörper zu erhalten und vorgestrige Regeln aufzustellen. Errungenschaften des Feminismus müssen verteidigt werden, ohne dabei in der Verteidigungsposition zu verharren. Aktuelle Kämpfe der Abwehr neu aufkeimender Diskriminierung und Ungleichwertigkeiten zu opfern, kann’s nicht sein. „Aber es könnte ja noch schlimmer sein“ darf nicht Argument dafür werden, sich mit den bestehenden Verhältnissen zufrieden zu geben. Ich will darüber reden, wo die Probleme sind und wie sie gelöst werden können und nicht darüber verhandeln, ob ich überhaupt meinen Mund aufmachen darf.

In die Offensive!

Habt einen wunderbaren Tag, bleibt mutig und lasst euch nicht unterkriegen! Bleibt laut und kritisch.

Hinterfragt gerne auch diesen Text. Er fasst meine Gedanken zusammen, also die einer einzelnen Person mit begrenztem Erfahrungsschatz und noch ganz schön viel zu Lernen. Und erzählt mal, macht ihr heute etwas besonderes? Gibt es bei euch Blumen, Kampfansagen oder gar beides?

Lesestoff

3 Kommentare

  1. Also ich finde keinen Ansatzpunkt um in diesem Text was zu Hinterfragen. Kann ich einfach nur so unterschreiben.
    Gestern war ein völlig normaler Tag für mich, außer, dass es vermehrt gute Dinge zu lesen gab 😉
    Aber am Samstag ist dann Women’s March in meiner Stadt und da werde ich dabei sein. Ein bisschen später, aber immer noch nah genug dran, um den Zusammenhang zu haben.
    LG Lexa

    1. In Leipzig gab es auch am Samstag eine große Demo. Allerdings habe ich es dieses Jahr nicht hin geschafft und habe mich schon ’ne Runde geärgert, Reden und Aktionen zu verpassen. Erzählst du auf deinem Blog, wie’s war? 🙂
      Liebe Grüße
      Maren

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