Warum ich Instagram nicht verstehe

Ach Instagram, da kennen wir uns nun schon seit über vier Jahren und ich werde einfach nicht schlau aus dir. Klar haben wir es nicht ganz leicht, bei der On-Off-Geschichte, die ich da mit dir betrieben habe. Und ja, als ich verstanden habe, was Hashtags sind, war unser erstes gemeinsames Jahr schon rum. Manchmal enttäusche ich dich mit Bildern, die so gar nicht bloggy und instagrammy sind und bekomme von dir im Gegenzug Unsichtbarkeit. Liebesentzug in seiner Social Media gewordenen Form, auf den ich schnell mit etwas reagiere, das du besonders gerne magst. Ein süßes Kätzchen vielleicht oder ein Flatlay. So geht das nun schon eine Weile und langsam frage ich mich: Wie lange denn noch gut?

Warum ich Instagram nicht verstehe

Ich habe dich lange nicht ernst genommen

Und dir über ein Jahr lang hashtag- wie belanglose Bilder zukommen lassen. Insgeheim weiß ich, mein Leben passt nicht so ganz zu dir. Ich mag Bier und hänge gerne in düsteren Kneipen rum, statt schicker Wolkenformationen aus dem Flugzeugfenster gibt’s bei mir Autobahnrauschen vom Fernbus aus. Ich schlafe nicht zwischen weißem Flausch, DIY-Projekte geschehen eigentlich nie ohne Fransen, Fusseln, Kleberflecken und irgendwo im Hintergrund läuft die zigtausendste Folge Pokémon. Nein, besonders instagrammy bin ich nicht und habe dich das am Anfang auch spüren lassen – ob nun mit meiner dreckigen Schuhspitze, albernen Flyern oder einem Haufen Tapetenreste. Als ich gemerkt habe, dass ich mir da mehr wünsche, war der erste Instagram-Hype schon längst vorbei.

Du hast komische Prioritäten

Erinnerst du dich an den Jahresbeginn? Da habe ich Bild und Text mit viel, viel Girl Power veröffentlicht. Du hast dir das angeschaut, ein paar Herzchen gab es auch. Und am nächsten Tag bist du angesichts meiner Thermoskanne halb ausgerastet. Ja, ich weiß, es ist eine schöne Kanne. Ich weiß auch, dass exzessiver Genuss von Kaffee für dich ein sehr wichtiges Thema ist. Aber ernsthaft? Eine Kaffeekanne einer feministischen Botschaft vorziehen?!

Falsche Freunde konnte ich noch nie leiden

Aber du hast gleich eine ganze Menge davon. Ob das nun Menschen sind, die sich Reichweite und Ego erkaufen oder wilde Accounts, die mir genau das anbieten – es verwirrt mich. Ich habe keine Lust, irgendwo zu herzen und zu kommentieren, nur, damit meine Statistiken besser aussehen. Und das Seilchenhüpfen, das Spamaccounts mit meiner 200-Follower-Marke spielen? Not cool.

Wer bist du?

Und dennoch habe ich dich von Herzen gern.

Ich kann mit dir Eindrücke und Inspirationen sammeln und einen kleinen Teil des Lebens anderer Menschen erblicken. Nämlich genau den Teil ihres Lebens, den sie zulassen. Genauso kann ich mit Blicken und Bildern spielen, kann saubere Bilder mit zarten Blüten und feinen Formen posten, während ich laut rülpsend das zweite Glas Bier wegziehe. Mein Feed wird mit Schönem gefüllt und in Kontrast zur Realität gesetzt, in der ich zwischen Papierwust und Steuererklärung sitze. Ich kann zeigen, was mich grad stolz macht und gespannt darauf warten, ob andere es auch mögen. Du bist nicht vollkommen, aber das übernimmt die Realität ja schon. Für größere Inhalte gibt es andere Medien. Und wenn du meine Botschaften trotzdem ab und an ernst nimmst, versorge ich dich vielleicht auch öfter mal mit so richtigen Blogger-Bildern. Deal?

Instagram Foto mit Pflanzen

Instagram-Accounts, die mit dem Prinzip brechen

Optik, Emotion und Marke vor Botschaft? Das ergibt meiner Erfahrung nach die schönsten Bilder und oft auch die meisten Herzchen. Anders – und immer noch ganz schön doll schön – sieht das allerdings bei den Instagram-Accounts von Slinga, Leipzig nimmt Platz und Fembroidery aus. ❤

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Die Challenge hat natürlich auch einen eigenen Instagram-Hashtag und die wunderschönsten bloggiest und instagrammiest Bilder.

11 Kommentare

  1. „Ich liebe Bier und düstere Kneipen“ – haha – sehr genial zusammengefasst, die Hass-Liebe! Manche Bilder-Likes im Vergleich zu andren kann ich mir auch nicht erklären. Ich denke das hängt mit dem seltsamen Algorithmus zusammen und die Zeit zu der man ein Bild veröffentlicht?!

    Super geschrieben! <3

  2. Ich führe auch so eine hass-liebe mit Instagram. Manchmal hab ich richtig Lust, genau ins Instagram-Schema zu passen, an anderen Tagen denk ich mir wieder: „ach, nicht meins…“

    1. Stimmt, diese paar Tage, an denen ich denke „Jetzt mal aufräumen und Dinge schick auf ’ner weißen Fläche anordnen“ kenne ich auch. Ich wechsel aber auch ganz viel mit Fotos von Reisen und Spaziergängen ab, die sind zwar irgendwie auch instagrammy, aber nicht ganz so dolle wie manch ein Flatlay oder Selfie.

  3. Da fällt mir doch tatsächlich auf das wir dir noch gar nicht folgen! ich musste gerade echt etwas schmunzeln und habe mich so wiedererkannt! Mein Lifestyle passt jetzt auch nicht wirklich zu Instagram und Fotos aus dem Fernbus könnte ich auch jede Woche posten, ist aber leider nicht so Instagram tauglich 😀

    1. Oh was, ich bin euch auch noch nicht gefolgt – jetzt aber. Und danke. 🙂 Und langsam frage ich mich ja, ob’s überhaupt Menschen gibt, die so instagrammy leben.

  4. Mittlerweile ist Instagram auch bei mir zu einer Hass-Liebe mutiert! Du kannst dich anstrengend wie du willst, es kommt irgendwie nix bei rum. Ständig bekomme ich angezeigt, dass ich neue Follower habe – bei der Gesamtfollowerzahl fehlen dann aber 10 über Nacht. NERRRVIIIIGGGG. Letztens hat jemand getwittert, dass eine ominöse Firma manchen Accounts mal eben 300 Likes auf ein Bild verschafft, um Werbung für seine Dienste zu machen „guck mal, das können wir für deinen Account machen? Zahl uns doch was, damit das immer so aussieht“ schlimm!

    1. Jaa, genau das Seilhüpfen mit den Followerzahlen meine ich! Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, aber ein bisschen enttäuscht bin ich trotzdem jedes Mal bei „Oh, ein neuer Follower!! Oh, er heißt GETSHITLOADSOFLIKESNOOOOW…“

  5. Bin immer wieder entzückt von Deinen Strickgeschichten, der flauschigen Wollen, den tollen Farben und gespannt auf die nächsten Projekte. Ehrlich! Natürlich auch auf „Unterwegs“-Dokus. Bitte weiter so! 😏

    1. Ooh, das freut mich zu lesen! 🙂 Ich muss nur zusehen, genügend Projekte für die Freitagsverstrickungen zu haben, dann steht viel, viel Flauschwolle nichts im Weg 😀

  6. […] Warum ich Instagram nicht verstehe […]

  7. Die Hassliebe zu Instagram kann ich gut nachvollziehen. Es gibt auch einige Dinge, die mich dort echt nerven, wie die gekauften Follower und Likes und all die Leute, die mir ständig Folgen und Entfolgen, nur damit sie selbst mehr Follower bekommen oder auch die Spam Accounts und die Oberflächlichkeit generell. Aber irgendwie habe ich trotzdem Spaß am knipsen der Fotos und am Netzwerk selbst, so lange die noch vorhanden ist, lasse ich mir den auch nicht nehmen. Man sollte das Ganze nur einfach nicht so ernst nehmen, sich selbst treu bleiben und nicht ständig die Followerzahlen im Blick haben.

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