Handlettering digitalisieren in 7 Schritten

Das Digitalisieren ist bereits Handlettering-Post Nummer drei! Die zwei ersten könnt ihr hier noch einmal nachlesen:

Eine kleine Vorwarnung: Dies wird kein superprofessionelles Tutorial. An einigen Stellen weiß ich lediglich, dass das, was ich mache, macht, was ich möchte – nicht so richtig, wie und warum. Aber hey, ich habe einen Weg gefunden, Schriftzüge zuverlässig und kostenlos zu digitalisieren und zu modifizieren! Das gebe ich doch gern weiter.

Übrigens: Das Ganze funktioniert auch andersrum! Hier erfährst du, wie deine Fotos aus Handletterings “herausschauen”.

Handlettering digitalisieren in 7 Schritten

Handlettering digitalisieren – los geht’s!

Du brauchst:

  • Weißes Papier
  • Schwarzen Stift
  • Ein Bildbearbeitungsprogramm – ich arbeite hier mit GIMP.
  • Ein Vektorgrafikprogramm – ich arbeite hier mit InkScape.
  • Ein Bild, in das du dein Lettering einfügen möchtest.

Handlettering Übungen und Stifte

Schritt 1: Das Lettering

Das ist natürlich erstmal dir überlassen. Die einzigen Vorgaben, die ich hier gebe, sind schwarzer Stift und weißes Papier. Wenn du mehrere Wörter schreiben möchtest, kann es durchaus auch Sinn machen, sie noch nicht im fertigen Schriftbild, sondern einzeln zu schreiben. So hast du später die Möglichkeit, sie völlig flexibel am Computer anzuordnen.

Schritt 2: Einscannen!

Sind die Farbe getrocknet und eventuelle Bleistiftlinien wegradiert, kannst du dein Lettering auch schon einscannen. Je besser die Qualität ist und je weniger auf dem Blatt ist, das da nicht hin soll, umso einfacher wird es in den folgenden Schritten.

Schritt 3: Erste Schritte am Bild

Öffne das eingescannte Bild in deinem Bildbearbeitungsprogramm. Ich finde es am einfachsten, den Scan zuerst auf den Part des Bildes zu begrenzen, den ich nutzen möchte. Wenn du das auch so siehst, ziehst du ein Auswahlfenster um diesen Ausschnitt, kopierst ihn mit Strg + C und fügst ihn im Bildbearbeitungsprogramm als neues Bild ein. Jetzt kannst du noch ein paar Feinheiten vornehmen, am Kontrast schrauben und eventuelle Fusseln aus dem Scanner, vergessene Bleistiftlinien und Falten im Papier wegradieren. Wenn nur noch dein Lettering Schwarz auf Weiß zu sehen ist, wählst du alles aus und kopierst es.

Wähle den Teil der Schrift aus, den du digitalisieren möchtest. Ich gehe hier Wort für Wort vor und bearbeite erst mein liebstes "hello", dann den "Adventure"-Schriftzug, der mir am besten gefällt. Mit Helligkeit und Kontrast kannst du einstellen, dass nur noch der Schrifzug Schwarz auf Weiss zu sehen ist.
Wähle den Teil der Schrift aus, den du digitalisieren möchtest. Ich gehe hier Wort für Wort vor und bearbeite erst mein liebstes “hello”, dann den “Adventure”-Schriftzug, der mir am besten gefällt. Mit Helligkeit und Kontrast kannst du einstellen, dass nur noch der Schrifzug Schwarz auf Weiss zu sehen ist.

Schritt 4: Where the Magic happens – das Vektorgrafikprogramm

Öffne jetzt dein Vektorgrafikprogramm. Ehrlich gesagt, ich habe wenig Ahnung, was genau Inkscape alles kann, aber es macht, was ich von ihm will: Eine Vektorgrafik aus meinem Lettering! Vektorgrafiken sind ziemlich cool, weil du sie – im Gegensatz zu Pixelgrafiken – nach Lust und Laune und ohne Qualitätsverluste skalieren kannst. Füge hier dein in Schritt 3 kopiertes Lettering ein und Markiere es. Noch ist es eine Pixelgrafik, doch das ändert sich, wenn du auf Pfade – Bitmap nachzeichnen klickst. Es öffnet sich ein neues Fenster, in dem du meist alles so lassen kannst, wie es ist. Anhand des Kontrastes zwischen Schwarz und Weiß werden Pfade entlang deines Letterings errechnet – und mit dem Klick auf „Ok“ eine Menge von Vektoren generiert, die dein Lettering umzeichnen.

m "Bitmap Nachzeichnen"-Fenster kann alles so bleiben. Die Live-Vorschau zeigt dir an, dass alles stimmt. Klicke auf OK.
m “Bitmap Nachzeichnen”-Fenster kann alles so bleiben. Die Live-Vorschau zeigt dir an, dass alles stimmt. Klicke auf OK.
Eine Vektorgrafik - diese kannst du jetzt als Png exportieren. Ich speichere die SVG-Datei zur Sicherheit auch noch ab.
Eine Vektorgrafik – diese kannst du jetzt als Png exportieren. Ich speichere die SVG-Datei zur Sicherheit auch noch ab.

Schritt 5: Zurück zur Pixelgrafik

Wer Ahnung von Vektoren hat, kann nun noch viel, viel rumspielen und eventuelle Unebenheiten der Buchstaben nochmal ausgleichen. Probier einfach mal aus, was alles passiert ,wenn du an den unterschiedlichen Punkten ziehst. In der großen Hoffnung, eines Tages mehr von Vektorgrafiken zu verstehen, speichere ich mir die .svg-Datei meines Letterings immer nochmal ab. Um eine einfach verwendbare Bilddatei zu haben, markierst du die neu entstandene Vektorgrafik und klickst Datei – PNG-Bild exportieren. Bei Inkscape öffnet sich am rechten Bildschirmrand ein zusätzliches Fenster, bei dem du die Auflösung und Maße deiner zukünftigen Pixelgrafik bestimmen kannst. Du kannst außerdem noch ändern, wo die Datei abgespeichert ist. Alles nach deinen Wünschen? Na dann: Klicke auf „Exportieren“!

Schritt 6: Das Lettering in ein Bild einfügen

Öffne die neue .png-Bilddatei und das Bild, das dein Lettering tragen soll, in deinem Bildbearbeitungsprogramm. Füge dein Lettering als neue Ebene ein. Ist diese jetzt zu groß, verdreht, an der falschen Stelle, kannst du sie problemlos skalieren, drehen und verschieben. Du kannst außerdem Farbe, Textur und Deckkraft der Ebene ändern, oder ihr eine Schattierung verpassen.

Zurück zur Pixelgrafik - ist das geschafft, kannst du dein Bild und die Schriftzüge wieder im Bildbearbeitungsprogramm öffnen und zusammenfügen.
Zurück zur Pixelgrafik – ist das geschafft, kannst du dein Bild und die Schriftzüge wieder im Bildbearbeitungsprogramm öffnen und zusammenfügen.

Lettering Wort für Wort

Es ist möglich, dein Lettering Wort für Wort als Vektorgrafik zu übertragen und alles einzeln abzuspeichern. So habe ich das hier mit “hello adventure” auch gemacht. Du kannst so die Größe jedes einzelnen Wortes festlegen und sie nach Belieben zusammensetzen, also viel, viel rumspielen. Das macht natürlich deutlich mehr Arbeit, dafür musst du beim Lettern noch keinen perfekten Satz hinlegen und kannst später ausprobieren, was dir gefällt. Ich mag diese Variante ganz gern, weil Strg + Z am Rechner funktioniert, auf dem Papier aber leider nicht – lasst euch das von einer, die beim Handlettering regelmäßig Buchstaben vergisst, gesagt sein!

Fertiges "Hello Adventure"-Lettering auf Bild von eingewachsener Straßenlaterne

Schritt 7: Abspeichern und stolz herumzeigen!

In Gimp kann man ein Bild als .xcf-Datei abspeichern, bei der sämtliche Ebenen und ihre Merkmale erhalten bleiben. Das kann ich sehr empfehlen, wenn du denkst, dass du das Bild später noch einmal verändern möchtest. Eine .jpg- oder .png-Datei musst du noch einmal exportieren – vergiss dabei nicht, die Bildqualität so hoch wie möglich einzustellen, damit später auch alles aussieht, wie du dir das wünschst. Fertig!

Das geht sicherlich noch besser

…aber mir reicht momentan dieses Ergebnis. Mit Illustrator lassen sich wesentlich bessere Vektorgrafiken generieren als mit Inkscape, aber da gibt es eben auch einen „leichten“ preislichen Unterschied, ebenso wie zwischen GIMP und Photoshop. Für Anfänger*innen finde ich diese kostenlose Variante ausreichend und bin immer wieder überrascht, wie viel damit dann eben doch geht. Und wie viel davon ich mir überhaupt noch erarbeiten muss. Wenn ihr noch Tipps habt, wie man sich all diese Arbeitsschritte noch einfacher machen kann, gerne her damit!

Wer noch ein wenig mehr herumspielen mag, kann hier mal schauen, wie einfach Fotos in Handletterings einzubinden sind. Umgekehrtes Gebastel, sozusagen!

Dieser Beitrag ist Teil von 28 days of blogging

5 Kommentare bei „Handlettering digitalisieren in 7 Schritten“

  1. Das finde ich einen schönen Ansatz, die eigene Schrift zu digitalisieren.
    Früher hatte ich eine ganz gute Schrift – für einen Jungen. Mittlerweile ist die vom schnellen mitnotieren eher “versaut”. Vielleicht probier ich’s zum Challenge-Ende aus.
    Danke für den Tipp.

    1. Naja, mit Handschrift hat das eher weniger zu tun – meine sieht auch ganz anders und oft ziemlich krakelig aus. Handlettering ist ja eher Malen oder Zeichnen, also nicht nur das Wort schreiben, sondern auch genau festlegen, wie es aussehen soll und mit Formen rumprobieren. Darum sind auf meinem Blatt auch mehrere Worte, weil ich mich erstmal entscheiden musste, in welche Richtung das gehen soll 🙂
      Liebe Grüße und vielleicht ja viel Erfolg bei Handlettering-Versuchen!
      Maren

  2. Danke für den easy Tipp, wie man eine Pixel- in eine Vekorgrafik umwandelt, das ist ja echt viel einfacher als gedacht! Liebe Grüße!

    1. Ja, oder? 🙂 Das Ganze noch ordentlicher machen ist dann natürlich komplizierter, aber die grundlegenden Dinge sind sehr machbar. War auch überrascht, als ich mich da reingefuchst hab und bin sehr zufrieden 🙂
      Liebe Grüße

  3. Cooler Tipp das Handlettering zu digitalisieren 😀 Kann man wirklich stolz vor sich hertragen!

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