Girl Power! Für mehr „Nee, is nich.“

Girl Power!

Wer mir auf Facebook bereits folgt (und wer nicht, macht das bitte ab jetzt!), hat meine zarte „Girl Power“-Eskalation Anfang Januar eventuell mitbekommen. Naja, Eskalation ist für den öffentlich-und-online-Bereich übertrieben, aber in mir drin hat es ganz schön gebrodelt. Grund waren Werbeeinblendungen, die das Internet mit Beginn des 1. Januar 2017 für mich – und ich vermute, viele andere Frauen auch – bereit hielt: Hätte ich all ihre Ratschläge befolgt, wäre ich heute bei Weight Watchers und noch ein paar weiteren Abnehm- und Fitnessprogrammen angemeldet und hätte kein Haar mehr an irgendeiner Stelle, von der Leute behaupten, da gehörten bei Frauen keine Haare hin. Ich würde versuchen, endlich schwanger zu werden und einen Ratgeber studieren, der es mir ermöglicht, endlich den perfekten Mann zu finden und ihn an mich zu binden. Kurzum: Ich würde alles tun, was Marketingmenschen anscheinend glauben, das Frauen Mitte-Ende-Zwanzig zu Jahresbeginn tun wollen wollen sollen. Aus allen Social Media Kanälen tropfte mir eine hässliche Suppe aus gesponserten Schuldgefühlen entgegen. Die Nachricht war: Du bist nicht genug, du musst besser werden. Und ich hatte genug.

Girl Power!
Girl Power: Piksig bleiben gegen Scheiße.

Girl Power & Selbstbewusstsein

Zu kinderlos, zu einsam, zu haarig, zu dick, zu dünn, zu groß zu klein? Die Schuldgefühlsuppe, die Frauen da ungefragt aufgetischt wird, dampft in alle Richtungen und riecht einfach mal: Scheiße. Natürlich gibt es Frauen mit dringendem Kinderwunsch, mit der Sehnsucht nach einer Partnerschaft oder dem Wunsch, etwas an ihrem Äußeren zu verändern. Nur, das ist deren ganz persönliche Sache, nicht von einem Werbealgorithmus vorgeschriebene Dringlichkeit.

Ich bin selbstbewusst genug, nicht an mir zu zweifeln, nur weil Werbeeinblendungen mir erzählen, dass ich das tun sollte. Aber das war nicht immer so und es gab da auch Phasen in meinem Leben, in denen ein kleiner Stups gereicht hat, um mich innerlich und äußerlich ordentlich mies zu fühlen. Und selbst wenn ein Mensch selbstbewusst durchs Leben geht, ist das keine Rechtfertigung, ihm regelmäßig zu sagen, dass er dafür gar keinen Grund habe.

Ungebetene Freunde mit fiesem Helferinstinkt

Klar, wir reden hier von Werbung, nicht von ernstzunehmender Kritik oder realen Gemeinheiten. Aber ich spreche eben nicht von der Häufigkeit, mit der tatsächliche Kritik und Sticheleien eintreffen, sondern von Werbeeinblendungen, die tausendfach und ungebeten ins Sichtfeld schwirren. Die mich nicht vorwarnen „Ey, ich bin jetzt hier und sage dir gleich, dass dein Po zu groß sei“ und mit Beharrlichkeit in meinem Umfeld bleiben. Eine weitere Gemeinheit: Die fiesen Botschaften geben sich natürlich nicht als solche aus, sondern sind abseits des Subtexts immer die Guten, die Helfenden. „Komm, ich helfe dir [ungeliebtem und eigentlich auch gar nicht liebenswertem Wesen] einen Partner zu finden und an dich zu binden [denn freiwillig will das ja wohl niemand!]“

Mit einem einfachen Scrollen durch Instagram hole ich mir also direkt zig falsche Freunde in mein Zimmer, die mich allesamt umgarnen und mir dabei doch erzählen, ich sei nicht genug. Die ungebeten aufkreuzen und sich nicht verscheuchen lassen.

Überhaupt: Was ist das für eine Botschaft?

Die Frage, warum die unterschwelligen Botschaften so am Selbstbewusstsein zwicken, warum sie überhaupt als schlecht empfunden werden, macht das Ganze für mich noch gruseliger. Denn heraus kommen Selbstverständlichkeiten: Weil das halt so is! Was ist denn überhaupt ein zu großer Po? Und was wäre schlecht daran, einen zu haben? Wie haarig ist denn nun zu haarig für eine Frau und warum sollte ich mich damit mies fühlen? Warum sollte ich ohne ständige Bestätigung von außen daran zweifeln, liebenswert zu sein? Warum ist meine Rolle in der Gesellschaft anscheinend erst vollständig, wenn sie auch die Mutterrolle beinhaltet?

Die niederschmetternde Antwort: „Weil’s so is.“

Girl Power!

Für mehr Girl Power, für mehr: Is nich!

Das Schöne an der Geschichte ist aber, dass mehr und mehr Menschen sagen: Is eben nich so. Dass mehr und mehr Menschen heteronormative Rollenbilder und klassische Geschlechterollen ablehnen, auflösen, nicht leben, wenn sie sie nicht leben möchten. Das Leben als Frau mit allem, was Werbung und Klischees so anraten wäre vielleicht nicht das schlechteste. Aber halt nur, wenn man es denn auch wirklich leben möchte. Ich jedenfalls bevorzuge das Leben als die Person, die ich gerne sein möchte. Dass dabei manchmal Zweifel aufkommen, ob ich diese Person überhaupt mag, das gehört dazu. Dass die Frage aufkommt, ob nicht etwas zu ändern wäre, das ist normal. Aber über die Häufigkeit, Dringlichkeit und die Konsequenzen dieser Frage, darüber entscheide ganz allein ich.

Was noch zu sagen ist

…ist immer noch genau das, was ich Anfang Januar schon sagte: Lasst euch nichts erzählen. Von keiner Person, die es nicht ernst mit euch meint und schon gar nicht von irgendeinem Bildschirm. Ihr seid toll. Ihr seid liebenswert. Ihr könnt was. Jede*r einzelne von euch. Ganz unabhängig davon, wie groß, klein, schmal, breit, schwanger oder nicht und verliebt oder nicht ihr nun seid. Und ganz unabhängig davon habt ihr alle das Recht, euch schön zu finden. Wenn euch was anderes erzählt wird: Nee, is nich.

Lasst euch nicht unterkriegen und erzählt das ruhig weiter!

Dieser Beitrag ist Teil der 28 days of blogging Challenge

Und die macht nach wie vor richtig viel Spaß und richtig guten Lesestoff – und sogar zwei ganz gut passende Texte:

Andere Themen, aber ebenfalls lesenswert:

…und viele, viele weitere, die ihr mittlerweile auf dem Pinterestboard schon prima erstöbern könnt. Die wunderfeine Instagram-Sammlung wächst auch!

Bilder: Pawel FurmanThomas Verbruggen

5 Replies to “Girl Power! Für mehr „Nee, is nich.“”

  1. Danke! Schön, wenn es jemand ausspricht. „Nee, is nich.“ ist da genau die richtige Antwort.
    LG Lexa

  2. Boah ja richtig guter Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele. Einfach mal mehr Nee is nich!!!

  3. […] ich habe noch mehr Girl Power für euch: Average Pony macht darauf aufmerksam wie Frauen regelmäßig mit Werbung zugebombt werden, wie wir z… Und dass wir einfach mal sagen sollten „Nee, is nicht!“. Ich kann da nur zustimmen und […]

  4. Ein super toller Post. Für mehr „Ne, is nich!“

    Schön gesagt. 🙂

  5. […] Girl Power! Für mehr „Nee, is nich.“ […]

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