Fahr mal nach …Hanoi!

Nach so vielen Schreibpausen, nach so viel wichtigem Genörgel und Nachdenklichkeit bin ich euch nicht nur mal wieder leichtere Kost schuldig, sondern dachte mir, einfach mal abhauen wäre ja auch was. Darum: Ab nach Hanoi!

Welcher Ort? Hanoi, Vietnam

Warum Hinfahren? Großstadttrubel, Bia Hoi & gutes Essen
Wie viel Zeit einplanen? 3-5 Tage
Wie An-/Abreisen? Per Bus, Zug oder Flugzeug
Was unternehmen? Ziellos fasziniert durch die Straßen spazieren, Sight Seeing, an so vielen Straßenständen wie möglich Kaffee trinken
Wo Übernachten? Hostels & Hotels in der Altstadt, ca. 6 € pro Person und Nacht
Was Essen? Pho (Reisbandnudelsuppe), Trockenfisch, Erdnüsse & alle spannenden Süßigkeiten, die zu finden sind.
 
Zugegeben: Ich bin kein Hanoi-Experte. Auf unserer einwöchigen Vietnamtour waren wir zwei mal zwei Tage lang dort und haben uns nicht an den klassischen Reiseführer gehalten und alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Der Umstand, dass wir die Stadt stattdessen auf blauen Dunst erkundet und einfach nur genossen haben, sorgt aber in meinen Augen auch für beste Reiseimpressionen: Wenn man einfach nur das Rundherum genießt, statt von einem Must-See zum anderen zu jagen, spricht das ja auch gewaltig für eine Stadt.
Hanoi bietet einen guten Ausgangspunkt für Reisen in die nördliche Sa Pa Region oder auf die spektakulären Inseln der Ha Long Bucht. Und wenn man schon mal da ist, lässt sich auch direkt etwas Großstadttrubel einfangen. Den gibt’s im Überfluss: Wer mal als Fußgänger in Hanoi war, der meistert garantiert auch Takeshi’s Castle. Dadurch, dass viele Leute per Scooter und nicht mit dem Auto unterwegs sind, sind die Straßen gedrängelt voll, was bei vier Spuren und keiner Ampel bedeutet, dass man sich das Überqueren zweimal überlegt.
 

In all diesem Trubel ist ein Einkaufsbummel durch die Altstadt – ohne Gehwege und mit haufenweise geparkten Mopeds – gleich nochmal spannender. Läden mit ähnlichem bis gleichem Angebot drängen sich dort dicht an dicht, denn die große bunte Mischung gibt es zwar über die gesamte Altstadt hinweg, innerhalb dieser sind die Geschäfte aber dem Angebot entsprechend angeordnet. Auf einer Straße sind nur Süßigkeiten zu finden, auf der anderen nur Kaffee und auf der nächsten gibt’s nur Schreibwaren. Nebenbei: Die Schreibwarenläden sind mein heißester Shoppingtipp für alle, die sich für Federtaschen, Schreibgeräte und Notizbücher begeistern können. Ein Traum! Inmitten dieser zwar kleinen aber viel befahrenen Gässchen befindet sich eine Markthalle – Ziel für alle, die in ihrem Asienurlaub noch nicht ausreichend Schweineköpfe und Hühnerbeine gesehen haben. Wer bei Fleisch schmerzfrei ist, kann hier spannende Eindrücke sammeln. Es gibt natürlich auch ein riesiges Angebot an Reis, Nudeln, Früchten und Gemüse, aber besonders am Ende des Tages ist das Fleischangebot… sagen wir mal… präsent.
Wenn’s zu viel wird in den Straßen und Gässchen: Straßencafé, zurücklehnen, Kaltgetränk.
Am späten Nachmittag wird’s ruhiger und die ersten Bia Hoi (Fassbier)-Stände breiten sich in Fußgängerzonen und am Straßenrand aus. Zeit, sich niederzulassen und den Trubel bei einem kühlen Glas Bier aus sicherer Entfernung zu beobachten.
 
Naja, eine Großstadt zu erreichen ist jetzt nicht allzu schwierig. Von überall her geht das per Flugzeug – Achtung: Für Vietnam muss man vor der Einreise ein Visum beantragen, was aber über Reisebüros problemlos funktioniert. Innerhalb von Vietnam kommt man per Bus sehr gut hin und her, Zugfahrten sind ebenso eine Möglichkeit, die ganz Mutigen kaufen sich einen Scooter und sind auf eigene Faust unterwegs.
 
Auch hier: Wir sprechen von einer Großstadt! Das Angebot an Sehenswürdigkeiten ist dementsprechend groß. Wir haben uns auf unserer Tour nur sehr wenige angesehen, aber ein paar Tipps sind schon drin:
 
Der Eingang zum Literaturtempel
 

Und der Innenhof – wenn ich mir die Bilder so ansehe, hatten wir echt Glück, was den Touristenandrang angeht.
Der konfuzianische Literaturtempel ist von der Altstadt aus recht einfach zu erreichen und definitiv einen Besuch wert. Die Architektur der Anlage ist weitläufig und gibt dem Besucher die Möglichkeit, zu spazieren, zu stromern und zu staunen. Die Erklärungen zu einzelnen Gebäudeteilen, Statuen und Bildern machen einen zwar nicht direkt zum Konfuzius-Experten, sind aber durchaus lehrreich und spannend. Außerdem finde ich es immer wieder spaßig, kleine ulkige Eindrücke zu sammeln, die entstehen, wenn altehrwürdiger Tempel und moderne Kultur sich im Alltag mischen: Ein Stapel Plastikteller neben alten vergoldeten Schalen, eine riesige Klimaanlage an der Tempelwand oder Digitaluhren als Spenden an den Tempel.
 
Nicht vergessen: Im Tempel Schultern und Knie bedecken.
 
Wir haben sie alle drei nicht angesehen, Ho-Chi-Minh-Wohnhaus, -Mausoleum und -Museum sind aber angeblich einen Besuch wert. Uns haben die etwas wilden und meist sehr frühen Öffnungszeiten abgeschreckt, was mit einem Tick mehr Wissensdurst aber vermutlich nicht passiert wäre.
Der Hoan Kiem See ist ebenfalls direkt neben der Altstadt und lohnt sich vor Allem, wenn man es auf ein bisschen Grün und Ruhe abgesehen hat. Zwar ist der kleine Tempel in der Mitte des Sees sehr von Besuchern überlaufen und der Eintritt für Touristen relativ teuer, aber bereits ein Spaziergang um den See herum ist den Besuch wert. Das Gewirr aus Joggern, Hundespaziergängern und Familien beim Inline Skating ist ein spannender Kontrast zur sonstigen Ruhe des Sees und lädt dazu ein, sich einfach mal auf eine Parkbank zu setzen und Menschen beim Trubeligsein zuzusehen.
Ansonsten kann ich immer und immer wiederholen, dass für mich in Hanoi der größte Spaß darin bestand, einfach nur durch die Altstadt zu schlendern, in ein paar Lädchen zu schauen und das Gewirr der Großstadt vom Straßenrand aus zu beobachten.

Die Altstadt ist übersät mit Hotels, in der Nähe der St. Joseph Kathedrale gibt es sogar eine komplette Gasse voller günstiger Hotels und sogar einer Jugendherberge. Wir haben damals das Especen Hotel ausgewählt. Rundherum gab es noch einige ähnliche, für die man ebenfalls etwa 6-10 € pro Person und Nacht bezahlt – Handeln ist hier übrigens durchaus möglich und wer sich sofort darauf festlegt, für mehrere Nächte zu bleiben, kann unter Umständen einen besseren Preis erreichen.
Diese Ecke der Altstadt ist relativ klein, mit wirklich minischmalen Gässchen, was aber trotzdem niemanden davon abhält, mit dem Moped hindurch zu fahren. Es gibt ein paar schöne Restaurants und Lädchen mit Nützlichem und Unnützem (Heißer Tipp hier: Besorgt euch einen der Seidenschlafsäcke, die dort angeboten werden, ihr werdet es keinen Moment lang bereuen.) und wie immer irrsinnig viel zu entdecken.
Ausblick vom Balkon eines Restaurants: Die Gässchen sind schmal, verraucht, voller Stromkabel und vor Allem voller spannender Bilder.
 
Noch ein Tipp: Wir wurden in den ersten Tagen davon überrascht, wie früh zwar nicht die Bürgersteige hochgeklappt werden, viele Menschen aber trotzdem schlafen gehen. Macht dem Hotelpersonal eine Freude und weckt es nicht gegen zwei Uhr nachts auf, weil ihr noch unterwegs wart und nun ins Hotel wollt, sondern versucht, euch ein wenig anzupassen und gegen Mitternacht wieder “zuhause” zu sein – vielleicht ist euer Tagesrhythmus dann auch mit den Öffnungszeiten diverser Sehenswürdigkeiten vereinbar.
 
Ich als ganz klassisches Mäkelkind hatte anfangs meine Probleme mit vietnamesischem Essen: Zu wenig gewürzt, zu wenig scharf, zu viel Gemüse. Als ich mich aber nach ein paar Tagen daran gewöhnt hatte, lernte ich die feinen, zarten Geschmacksnoten durchaus zu schätzen. Gebt der Pho also nicht nur eine Chance, sondern probiert die korianderlastige Reisbandnudelsuppe öfter und mit unterschiedlichen Fleisch- und Gemüsesorten.
Man hat es vielleicht schon erahnen können: Wir haben in Hanoi sehr, sehr viel Bier getrunken. Gegen 17:00 Uhr breiten meist ältere Männer Stände aus sehr kleinem Plastikmobiliar (Kinderstühlchen nicht unähnlich) aus, an denen man das von ihnen angebotene Bia Hoi genießen kann. Dabei handelt es sich um Fassbier, das in 0,25 l Gläser abgefüllt und für etwa 0,20 € pro Glas verkauft wird. Oft handelt es sich dabei um lokale Biersorten, die in “echten” Restaurants auch in Flaschen angeboten werden. Das Bier ist nicht übermäßig stark, weshalb ihr nicht vor euch selber Angst kriegen müsst, wenn die Rechnung gegen 22:00 Uhr besagt, dass ihr acht Gläser davon getrunken habt.
 
Wer Bier mag, wird Bia Hoi lieben. Hier zu sehen: Stand, Wirt & Bierfass.
 
Zusätzlich zum Bier gibt es im Haus hinter dem Stand oft noch eine Küche, die euch mit vorzüglichem Essen und kleinen Snacks versorgt. Hier ist es üblich, sich nicht pro Person ein Gericht zu bestellen, sondern eine Vielzahl kleinerer auf den Tisch zu stellen, an denen sich alle bedienen können. Manche Dinge sind allerdings etwas ungewöhnlich:
Ich hätte es nicht erraten, auch nicht nach dem Probieren: Das, was da in Blätter eingewickelt ist und in Chilisauce gedippt gegessen wird, ist frittierte Schweineschwarte. Wenn ihr euch nicht sicher seid, was da vor euch auf dem Tisch liegt, fragt einfach nochmal nach – viele Vietnamesen sprechen ein wenig Englisch und können euch zumindest sagen, aus was die Speise hauptsächlich besteht.
Es ist außerdem möglich, vom gemütlichen Platz beim Bia Hoi aus bei Straßenhändlern einzukaufen. Ich rate dringend davon ab, bei Kindern Kaugummi zu kaufen (und dazu, stattdessen ein paar Papierflieger in der Tasche zu haben oder sie schnell aus einer leeren Seite Reisetagebuch falten zu können). Mobile Trockenfischstände sind dagegen sehr zu empfehlen – jedenfalls, wenn man Trockenfisch mag. Der getrocknete Fisch oder Tintenfisch wird hier flink nochmal gegrillt, in Stücke gehackt, in Zeitungspapier gewickelt und passt anschließend einfach perfekt zum Bier.
Bier, Trockenfisch und ungeröstete Erdnüsse: OMNOMNOM!
 
Ein letzter kulinarischer Tipp für Vietnam und speziell die Straßencafés und Läden in Hanoi ist Kaffee. Wem er nicht zu speziell ist, dem sei der “Weasel Coffee” ans Herz gelegt. Jap, der erste Gedanke ist der richtige: Der heißt so, weil die frischen Kaffeebohnen von Wieseln gefressen und nur teilweise verdaut werden – beziehungsweise das, was wir als Kaffeebohne kennen, überhaupt nicht. Anschließend werden die Bohnen ganz normal geröstet. Für das Brühen gibt es ein spezielles System, ein kleines Blechsieb und -töpfchen, mit deren Hilfe man je eine Tasse kochen kann. Der Kaffee wird mit gesüßter Kondensmilch getrunken und ist stark, süß und kräftig im Geschmack. Meinem Körper war er leider etwas zu stark, aber mein Freund hat irre viel davon getrunken und sich sogar noch ein paar Päckchen Kaffee und ein Brühsystem mit nach Hause genommen. Wieselfreier, ähnlicher Kaffee ist aber natürlich auch zu bekommen.
Vietnam war es auf jeden Fall wert, auf der Asienreise einen kleinen Abstecher dorthin zu machen. Irgendwann möchte ich mir aber auf jeden Fall noch mehr vom Land ansehen und vielleicht auch etwas länger in Hanoi verweilen.
Habt ihr noch mehr Tipps für Vietnam oder speziell Hanoi? Ich freue mich sehr über Kommentare oder Links zu euren Blogposts!

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